Nach einer vierteljährlichen Suche nach einem Tuchel-Nachfolger haben FCB-Sportvorstand Max Eberl und Sportdirektor Christoph Freund letzte Woche endlich Vollzug melden können. Nach den Absagen von Xabi Alonso, Julian Nagelsmann und Ralf Rangnick, einigen medialen Dichtungen und einem Versuch, Thomas Tuchel doch noch über die Saison hinaus als Chefcoach zu behalten, hat der 38-jährige Belgier Vincent Kompany am Mittwoch einen 3-Jahres-Vertrag an der Säbener Straße unterschrieben.
Ex-FCB-Trainer Felix Magath (2004-Januar 2007; Titelbild) kritisierte dafür die Bayern-Verantwortlichen im Rahmen der Tagung von Sports Media Austria in Saalbach-Hinterglemm am Freitag scharf: „Erst war es vielleicht zum Schmunzeln, später war es nicht mehr zum Lachen. Das war etwas, das den deutschen Fußball beschädigt hat. Das war ja nicht mehr schön, wie das in der Öffentlichkeit dargestellt wurde. Von daher sind wir alle heilfroh, dass wir jetzt jemanden haben und drücken mal die Daumen.“
Allerdings lobte er nachfolgend den Rekordmeister auch für die Verpflichtung von Kompany: „Ich bin sehr froh, dass der FC Bayern mal wieder einen sehr guten, erfolgreichen Spieler als Trainer verpflichtet hat. Ich glaube, dass da in der Bundesliga weiter Bedarf herrscht – dass ehemalige Weltklassespieler ihre Erfahrung als Trainer in die Liga einbringen.“
Eine spezielle Meinung hat der 70-Jährige auch zum Double von Bayer Leverkusen: Trainer Xabi Alonso habe „jetzt zufällig die Meisterschaft und den Pokal gewonnen. Von daher erhoffe ich mir vom FC Bayern auch wieder Titel“.
Allerdings traut er dem FC Bayern nicht zu, wieder eine Dominanz wie in den vergangenen Jahren aufzubauen. „Bayern wird eine bessere Saison spielen. Die Spieler stehen viel mehr in der Pflicht. Sie hatten oft den Trainer als Ausrede, die fällt jetzt weg. Eine Dominanz werden die Bayern in den nächsten ein, zwei Jahren nicht mehr haben.“
Abschließend kam noch ein bemerkenswerter Vergleich mit Manchester United. „Die Situation mit Alex Ferguson war im Grunde die gleiche wie bei Bayern mit Uli Hoeneß. Seit Ferguson weg ist, kommen die nicht mehr richtig auf die Füße. Sie geben auch viel Geld aus, aber kommen an die Spitze ja gar nicht mehr ran. Sie gehören mittlerweile schon zur zweiten Garnitur in England.“
Und spätestens da wird es sehr abenteuerlich beim Felix. Auch wenn der Trainerposten auf der Insel häufig als Manager bezeichnet wird und die Coaches in der PL wesentlich mehr Kompetenzen als ihre deutschen Kollegen haben, waren die Rollen von Ferguson und Hoeneß nicht wirklich vergleichbar. Es wird dabei auch immer vergessen, dass der Uli nie ein Alleinherrscher an der Säbener Straße war. Er war von 1979 bis 2009 Manager unter den Präsidenten Willi O. Hoffmann (1979-85), Fritz Scherer (1985-94) und nicht zuletzt unter Franz Beckenbauer (1994-2009). Von 1991-2002 begleitete ihn Kalle Rummenigge als Vize-Präsident des Vereins, eher dieser 2002 im Zuge der Umwandlung der Fußballabteilung des FCB in eine AG zum Vorstandsvorsitzenden ernannt wurde.
Während ManUnited nach dem Rücktritt von Sir Alex 2013 nie mehr Englischer Meister wurde, holten die Bayern in der Saison nach Hoeneß Rücktritt als FCB-Präsident (JHV November 2019) das Triple bzw. Sextuple und auch in den drei Folgejahren die Deutsche Meisterschaft.
Bei derselben Veranstaltung in Saalbach-Hinterglemm wurde übrigens auch Christoph Freund per Video-Schaltung hinzugezogen. Dieser konnte dann Felix & Co auch erklären, dass sehr viele der genannten Trainer nie vom FC Bayern kontaktiert worden waren, sich aber zu Lasten des Vereins aufgeplustert haben …
