Ein sehr interessanter gut reflektierter Beitrag von Stefan Effenberg auf t-online, in dem er nicht zuletzt auch mahnende Worte an die Klubverantwortlichen und Spieler des FC Bayern spricht:
Einen neuen Trainer hat indes offenbar endlich der FC Bayern gefunden. Ich sage es ganz offen: Für mich macht Vincent Kompany als neuer Bayern-Trainer Sinn. Warum denn auch nicht? Er ist erst 38 Jahre alt, unverbraucht, bringt sicher ein gutes Team mit, er hat jahrelang bei Manchester City gespielt, hat alles gesehen – und: Er spricht die Sprachen der Spieler, was ich für unerlässlich halte, besonders beim FC Bayern.
Und noch etwas zu Kompany: Ja, er käme von einem Premier-League-Absteiger. Aber andersherum gibt es ja auch keine Garantie, dass es mit einem vermeintlichen Erfolgstrainer auch gut läuft – das hat man beim FC Bayern in den letzten Jahren zur Genüge gesehen. Und übrigens: Auch der ursprüngliche Bayern-Wunschtrainer Alonso hatte mit der zweiten Mannschaft von Real Sociedad kein Glück, konnte den Abstieg nicht verhindern, ehe ihm Leverkusen die Chance gab – und er sie nutzte.
Alonso übernahm Bayer auf Platz 17 und führte sie nach oben. Das sagt doch alles darüber aus, was ein erfolgreicher ehemaliger Spieler als junger und hungriger Trainer schnell bewirken kann – und wozu er fähig ist, wenn alles passt. Das war bei Alonso und Leverkusen der Fall.
Vielleicht wird Kompany bei den Bayern ja wirklich ein Pep Guardiola 2.0.
Es liegt sowieso auch zu einem großen Teil an der Mannschaft selbst, ob es klappt. Ein Beispiel: Union Berlin. Die haben die Champions League erreicht, aber plötzlich stimmte einfach die Balance innerhalb des Kaders nicht mehr – was dann auch ein wesentlicher Grund für den Absturz des Klubs war. Daher muss vor Saisonstart auch an die Ehre der Bayern-Spieler appelliert werden. Ihnen muss klargemacht werden, dass sie in jedem Spiel hundert Prozent abrufen müssen – das müssen sie endlich kapieren. Nur so kann es wieder eine erfolgreiche Saison für die Bayern werden – mit Kompany.
Ich glaube auch, dass bei den Bayern ein Umdenken einsetzt, was die Geduld mit den Trainern angeht. In den nächsten ein, zwei Jahren wird ein Umbruch im Team erfolgen – den schaffst du nicht in kurzer Zeit. Und da muss dann auch der Trainer von der Chefetage anders geschützt werden.
Denn: Nach sechs, sieben, acht Wochen, in denen es vielleicht noch nicht so läuft, direkt draufzuhauen – das dürfen sich die Bayern nicht mehr erlauben. Das darf nicht sein. Das gilt auch für den Umgang mit den Spielern: Wenn du alle zwei, drei Wochen ein Interview mit Kritik vom Klubchef liest, dann ist das natürlich nicht leistungsfördernd. Da appelliere ich auch an die Vernunft der Klubführung.
Wenn die Verantwortlichen aus der Vergangenheit gelernt haben und nicht permanent Druck ausüben – denn Druck ist beim FC Bayern auch so immer da –, dann kann das funktionieren. Sie müssen jetzt endlich wissen, was sie zu tun haben, um wieder zurück zum Erfolg zu kommen.
Titelbild: Effenberg – der Kapitän der CL-Sieger-Mannschaft 2001.

Bei seinen Beiträgen ist der Effe eine Klasse besser als der Lothar … auch im Fall Kompany.