FC Bayern: „Brutal“ zurück in die Erfolgsspur – bei den Bossen muss begonnen werden!

Kommentar von Petersgradmesser

Trotz der wohl erfolgreichsten Phase der Vereinsgeschichte von 2012 bis 2023 mit elf Deutschen Meisterschaften in Serie und zwei überragenden Triples knirschte es beim FC Bayern in den letzten drei, vier Jahren, eigentlich seit dem im August 2020 in Lissabon gegen PSG gewonnenen CL-Finale, immer mehr im Gebälk. Hauptverantwortlich dafür sind die sog. FCB-Bosse, die Führungsetage im Verein.

Hasan Salihamidzic, obwohl seit Beginn seiner Tätigkeit als Sportdirektor 2017 immer wieder im Fadenkreuz der Kritik der eigenen Fans, machte bis dahin einen guten bis exzellenten Job. Er stellte größtenteils den Sextuple-Kader der Saison 2019/20 – auch mit einigen Leihspielern – vorzüglich zusammen. Einen Monat vor dem CL-Sieg 2020 wurde er – soll man sagen folgerichtig oder fatalerweise – vom Sportdirektor zum Sportvorstand befördert. Der schon als Spieler mega ehrgeizige Bosnier bekam dadurch gewaltiges Oberwasser, welches ihm ganz offensichtlich nicht gut bekommen ist. Bei Spielertransfers ignorierte und demütigte er nachfolgend den Trainer-Vater des sensationellen Erfolgs Hansi Flick. Dem wurde keiner einziger Spielerwunsch erfüllt, auch nicht für die dann darauffolgende Saison 2021/22. Genervt trat der Hansi die scheinbar erlösende Flucht zum DFB an.

Zu Beginn der Triplesaison 2019/20 war es schon im November 2019 in der Münchner Olympiahalle zur Stabübergabe im FCB-Präsidentenamt gekommen: Der damals 67-jährige FCB-Übervater Uli Hoeneß, auch geschwächt durch einen anderthalbjährigen Haftaufenthalt, an den ehemaligen Adidas-Boss Herbert Hainer, wenig jünger und wenig charismatisch, zu wenig, wie sich nun immer mehr herausstellt.

Oliver Kahn wurde wenig später im Januar 2020 zum Vorstandsmitglied in der FC Bayern AG ernannt und trat im Juli 2021, etwas früher als ursprünglich geplant, die Nachfolge der zweiten grauen Eminenz des FCB, Kalle Rummenigge, an. Seit diesem Datum leiteten Kahn, Salihamidzic und Kahn die Geschicke des Vereins. Und es begann immer mehr an der Säbener Straße zu brodeln – vor allem ob des unpersönlichen Führungsstils von Kahn mit seiner Gefolgschaft der Unternehmensberater, um Uli Hoeneß zu zitieren.

Das Fass zum Überlaufen brachte die vorschnelle und unnötige Entlassung des Trainer-Wunschkandidaten Julian Nagelsmann im März 2023. Vor allem die Art und Weise löste riesiges Kopfschütteln bei den FCB-Fans aus. Medial deutlich merkbar brachte sich daraufhin Ehrenpräsident Hoeneß wieder immer mehr ins Spiel und veranlasste im mächtigen FCB-Aufsichtsrat die Entlassung von Kahn und Salihamidzic zum Saisonende 2022/23. Die Art und Weise war genauso diskussionswürdig wie deren Nagelsmann-Rauswurf. Der eigentliche Vorsitzende des Aufsichtsrats, Präsident Hainer, wirkte dabei eher wie eine Marionette von Hoeneß als ein wirklicher Entscheidungsträger. Medial lief alles über den Mr. FC Bayern. Sehr schnell wurde Kalle Rummenigge auch wieder in die Verantwortung, ebenfalls in den Aufsichtsrat, zurück geholt und Jan-Christian Dreesen, soll man sagen eine weitere Marionette der beiden FCB-Granden, als CEO und damit Kahns Nachfolger installiert.

Ziemlich selbstgefällig, denn dies entsprach keineswegs der Realität, sah Uli Hoeneß im Frühsommer 2023 seinen FC Bayern als total befriedet an. Eine Transfer-Taskforce, bestehend aus Hoeneß, Rummenigge, Dreesen, Hainer und Nagelsmann-Nachfolger Thomas Tuchel, stellte den Kader für die Saison 2023/24 zusammen. Am Anfang lief dies alles super, auch der lange umstrittene Transfer von Harry Kane wurde nach einem schier unendlichen Hickhack viel umjubelt eingetütet. Leider waren die letzten beiden Wochen der vergangenen Sommer-Transferperiode ein einziges Desaster mit dem traurigen Höhepunkt am sog. Deadline Day: Zahlreiche Spieler wurden noch abgegeben, sicher geglaubte Transfers platzten buchstäblich in letzter Minute. Eine riesige Blamage und Hypothek für die gesamte folgende Saison.

Thomas Tuchel schien insgesamt ziemlich wenig in die Prozesse integriert gewesen zu sein, sein Hilfeschrei nach einem ausreichend großen Spielerkader verhallte beim Quartett der Bosse eher ungehört, wurde lediglich mit flapsigen und selbstherrlichen Sprüchen von Dreesen, Rummenigge & Co kommentiert. Von Anfang an setzte man den FCB-Trainer so der gierigen Meute der Journalisten und ewig unzufriedenen Fans nahezu hilf- und schutzlos aus. Plausible Erklärungen von Tuchel wurden medial verdreht, Leverkusen startete seine Siegesserie, die FCB-Fanseele fing sehr schnell zum Toben an.

In diesem ganzen Hexenkessel war die Ernennung des neuen Sportdirektors Christoph Freund zum 1. September 2023 ein erster Hoffnungsschimmer, die des neuen Sportvorstands Max Eberl zum 1. März 2024 kam leider ziemlich spät, für Tuchel wohl zu spät.

Diese beiden sind für viele FCB-Fans die Hoffnungsträger des Vereins, zum einen wieder in ruhigere Fahrwasser zu kommen, zum anderen wieder in die gewohnte Erfolgsspur des Rekordmeisters zurückzufinden. Die erste Herkulesaufgabe ist das Finden eines geeigneten Cheftrainers für die nächste Saison. Dank vieler interner Störfeuer gibt es eigentlich fast keinen geeigneten mehr.

Nach dem bitteren CL-Aus gestern Abend in Madrid müssen alle Kräfte im Verein gebündelt werden und das beginnt schon ganz oben:

Hoeneß und Rummenigge müssen sich aus dem Tagesgeschäft und dem medialen Fokus schleunigst zurückziehen. Anstelle der Frühstücksdirektoren Hainer und Dreesen müssen sehr schnell geeignete ehemalige Spieler wie zum Beispiel Philipp Lahm installiert werden. So hervorragend die Vorträge des ehemaligen Finanz-Vorstands Dreesen selbst bei den trockensten Themen auf den JHVen waren, so leblos war zum Beispiel gestern Abend seine Bankettansprache, als es darum ging, die völlig geknickten Spieler wieder aufzurichten.

Der FCB braucht wieder eine Führungsebene wie vor einigen Jahren mit Hoeneß, Rummenigge und Matthias Sammer – ein Mitglied sollte mit Eberl schon gefunden worden zu sein. Die anderen müssen baldmöglichst folgen.

Zusätzlich muss der Aufsichtsrat in diesem Sommer die Schatulle so weit wie noch nie aufmachen: Einen Kaderumbruch halte ich für weniger sinnvoll als eine brutale Aufrüstung desselben. Gerne darf die nationale Konkurrenz, speziell in Leverkusen, dabei jammern und schimpfen. Egal, in der nächsten Saison soll, nein muss die ganze Liga wieder unter der FCB-Dominanz leiden!

Und international muss sich der FCB auch wieder den Respekt zurückholen, der ganz offensichtlich verloren gegangen ist. Die Schiedsrichter in der Champions League dürfen mit dem deutschen Rekordmeister aktuell machen, was sie wollen. Die letzten drei Ausscheiden wurden jeweils von skandalösen SR-Leistungen begleitet.

Aber vielleicht können auch Dreesen und Hainer schon einmal ein Zeichen setzen, um ihr Frühstücksdirektorenimage loszuwerden: Einspruch gegen die gestrige Spielwertung in Madrid aufgrund des skandalösen Regelbruchs der polnischen Unparteiischen. Bei der mafiösen UEFA wird dies höchstwahrscheinlich keinen Erfolg haben, einen Zeichen wäre aber auf alle Fälle gesetzt. Eines an den eigenen Trainer, die eigenen Spieler und nicht zuletzt die eigenen Fans.

Titelbild: Der Max darf, muss bleiben – der Rest sollte sich baldmöglichst zurückziehen! Zum Wohle des großen FC Bayern!

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

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