Die Suche des FC Bayern nach dem Nachfolger von Thomas Tuchel gestaltet sich mehr als zäh. (Wunsch-)Kandidaten haben bereits abgesagt, allerdings haben diese selbst betont, es wäre keine Absage an den Rekordmeister gewesen. Andere Kandidaten haben medial abgesagt, die wahrscheinlich gar keine waren. In den Medien und bei den Fans wird weiterhin kräftig spekuliert.
In einem Interview mit der spanischen Diario AS äußert sich nun der ehemalige FCB-CEO und das jetzige Aufsichtsratmitglied Kalle Rummenigge zur bislang erfolglosen Trainersuche beim Rekordmeister.
„Das sind Themen, bei denen ich nicht mehr auf direkte Weise involviert bin, weil ich nicht länger im operativen Geschäft tätig bin„, nahm er sich dabei zunächst zurück. „Allerdings kann ich nur empfehlen, wieder etwas abgeschlossener zu agieren„.
Damit bezieht sich der 68-Jährige auf die Tatsache, dass nahezu jeder Schritt der Trainersuche recht zeitnah in den Medien besprochen wird. Dabei zog Rummenigge einen für ihn passenden Vergleich: „Als wir damals Pep Guardiola verpflichtet haben, haben wir an der Nummer für ganze sechs Monate gearbeitet und niemand hat es herausgefunden. Da muss man strategisch arbeiten, und zwar ohne dass jeder einzelne Schritt am nächsten Tag in der Zeitung steht.„
Des Weiteren fordert er: „Das Wichtigste ist die Kontinuität. In diesem Punkt müssen wir selbstkritisch sein. Wir sind in letzter Zeit ein bisschen vom Weg abgekommen, sowohl auf dem Platz als auch in der Vereinsführung. Der FC Bayern muss die Stabilität zurückgewinnen, die ihn auf allen Ebenen auszeichnet.„
Dazu FC Bayern Total:
Volle Zustimmung zum abschließenden Statement, Kalle. Dabei sollten sich vor allem er selbst, auch wenn er im Interview die Situation etwas anders darstellt, im besonderen Maße Uli Hoeneß, aber auch der aktuelle Präsident Herbert Hainer und CEO Jan-Christian Dreesen kräftig an die eigene Nase fassen. Die eigentlich für die Trainersuche verantwortlichen Max Eberl und Christoph Freund sind in dieser Angelegenheit eher als Opfer zu sehen …
Schade, dass Rummenigge in diesem Interview bei Diario AS offensichtlich nicht darauf angesprochen wurde, ob und warum er selbst tatsächlich ein Comeback von Julian Nagelsmann verhindert hat. Auf direkte Weise ist der Kalle laut eigenen Angaben ja nicht mehr involviert. Aber wie viel Einfluss kann man denn indirekt ausüben?
Zur Verpflichtung von Pep Guardiola zur Saison 2013/14:
Damals hatte Jupp Heynckes beim FCB einen Zwei-Jahres-Vertrag (2011-2013). Nachdem die Verpflichtung von Pep im Januar 2013 publik gemacht wurde, hatte man offensichtlich – laut aktueller Information von Rummenigge – schon seit Sommer 2012 an dieser gearbeitet. Guardiola hatte in Barcelona aufgehört und Jupp noch ein Jahr Vertrag beim FCB. Natürlich konnte niemand – auch nicht die Medien – ahnen, dass hinter Jupps Rücken mit dem katalanischen Erfolgstrainer verhandelt werden würde. Denn grundsätzlich bestand dafür damals auch keine Notwendigkeit.
Als die Verpflichtung von Guardiola im Januar 2013 bekannt gegeben wurde, war dies natürlich ein Coup, eine Sensation. ABER: Jupp war stinksauer, fühlte sich verraten und die sowieso hervorragend aufspielende Mannschaft solidarisierte sich extrem mit ihm. Das Resultat war eine überragende Erfolgsgeschichte – das legendäre Triple 2013.
Wenn Rummenigge tatsächlich die damalige Vorgehensweise bei der Verpflichtung von Guardiola mit der aktuellen Situation vergleichen möchte, dann ist das eigentlich kein Äpfel-Birnen-Vergleich, sondern einer zwischen Kirschen und Wassermelonen … Dass die damalige Vorgehensweise zusätzlich wenig loyal gegenüber der Vereinslegende Jupp Heynckes war, ist eine andere Geschichte.
Wenn der Kalle nun konsequent im Sinne seines eigenen Interviews handeln würde, würde er sich zusammen mit dem Uli eine einsame Berghütte suchen und dort so lange bleiben, bis der Max den Trainer für die neue Saison verkündet. Ein wirklich gut gemeinter Ratschlag!
Update 7. Mai 2024, 17:00
Vor dem heutigen Abflug nach Madrid wurde Bayern-Sportdirektor Christoph Freund direkt auf Rummenigges Kritik angesprochen. Seine Antwort fiel diplomatisch aus: “Der FC Bayern ist ein sehr großer Verein, da will jeder Bescheid wissen und recherchiert”, sagte der Österreicher am Münchner Flughafen: “Für uns Beteiligte wäre es natürlich schön, wenn wir die internen Dinge so weit wie möglich an der Säbener Straße halten könnten, aber der FC Bayern ist ein sehr interessanter Verein für Außenstehende. Grundsätzlich ist es unsere Strategie, Dinge intern zu klären, bevor wir sie verkünden.”
Kalle Rummenigge könnte sich wahrlich ein Beispiel an Freund und Eberl nehmen …
