Viele Fans eskalieren nach Pleite beim VfB: Jedoch – wie einst Franz & Co – voller FCB-Fokus auf Real Madrid

Kommentar von Petersgradmesser

Seit ungefähr zwei Monaten steht fest, dass es für den FC Bayern in dieser Saison einzig und allein noch um die Qualifikation für die Champions League 2024/25 und möglichst viele Runden im aktuellen Königsklassen-Wettbewerb geht. Der überzeugende 3:0-Rückspielsieg gegen Lazio Rom, eine überragende Leistung gegen den englischen Tabellenführer Arsenal und ein starkes 2:2 gegen den Rekordsieger Real Madrid lassen die Bayern und ihre Fans nun sogar noch vom siebten Henkelpott in der Vereinshistorie träumen. Diesem Ziel ist somit alles unterzuordnen. Leider verstehen das viele eigene Anhänger jedoch nicht, obwohl das bereits Franz & Co vor fast einem halben Jahrhundert beeindruckend vorgemacht haben.

Die DFL hat es in dieser Saison – wieder einmal – in vielerlei Hinsicht nicht besonders gut mit dem deutschen Rekordmeister und seinen Fans gemeint, in diesem Fall kann sie aber nicht wirklich etwas dafür: Dass der FCB ausgerechnet zwischen den beiden CL-Halbfinalspielen gegen Real Madrid beim Tabellen-Dritten VfB Stuttgart antreten muss, ist äußerst unglücklich. Eine derartige Konstellation war aber vor der Saison nicht ansatzweise vorhersehbar.

Dass die gestrige Partie in Stuttgart für Tuchel und seine Mannschaft dennoch lediglich eine lästige Pflichtaufgabe war, die weder mit der A-Mannschaft noch mit vollem Einsatz und Konzentration angegangen werden würde, war jedem Fußballkenner vollkommen klar. Ich hatte gestern Mittag über die Konstellation noch ein Gespräch mit einem geschätzten Fußballkumpel. Mein einziger Wunsch für das Spiel in Stuttgart: Keine Klatsche. Für mich positiv überraschend sah es bis kurz vor Spielende sogar nach einem Unentschieden aus – und wenn die Konter in der zweiten Halbzeit konzentrierter zu Ende gespielt worden wären, wäre sogar ein Auswärtssieg möglich gewesen. Dann wurde es doch noch ein 1:3 ….

Völlig nachvollziehbar hatten Trainer und Spieler das Spiel mit dem Schlusspfiff bereits abgehakt. Ganz anders eine beträchtliche Anzahl an eigenen Anhängern, die stinksauer auf das Team und Tuchel waren. Die noch druckreifen Kommentare:

So eine Leistung ist einfach nur unterirdisch.“

Ohne Worte ist diese Leistung…“

Wenn ich so arbeiten würde wie ihr heute gespielt habt, würde ich morgen beim Arbeitsamt sein!“

Die Leistung einiger Herren war unter aller Sau … So kannst du nicht auftreten!!

Imageschädigend, wie leider so viel in letzter Zeit.“

Versager!“ „Unsäglich.“ „Arbeitsverweigerung!“

Nicht mehr unsere BAYERN.“

Dass Trainer und einzelne Spieler zusätzlich weit unter der Gürtellinie beleidigt wurden, muss man heutzutage fast schon nicht mehr erwähnen, wenn man über Kommentare in den Social Media spricht.

Dabei haben es die ganz großen Bayern mit Kaiser Franz, Bomber Gerd Müller, Sepp Maier & Co in den 1970er Jahren nicht anders gemacht.

Auf dem Weg zum Hattrick im Europapokal der Landesmeister traf man im Halbfinale 1975/76 erstmals auf Real Madrid. Im Bernabéu hatte man im Hinspiel 1:1 gespielt und vier Tage vor dem Rückspiel im Münchner Olympiastadion war in der Bundesliga der 1. FC Kaiserslautern zu Gast. Die Meisterschaftshoffnungen des heutigen Rekordmeisters waren nicht mehr allzu groß, obwohl man den späteren Meister Gladbach kurz zuvor mit 4:0 in München nahezu abgeschossen hatte.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit lag man dann gegen die Lauterer standesgemäß mit 3:1 in Führung – um dann das Spiel – Real Madrid im Hinterkopf habend – noch komplett abzugeben: Die 3:4-Niederlage zerstörte den letzten Funken Hoffnung auf den nationalen Titel.

Die Fans maulten, die Medien sahen plötzlich Madrid als Favoriten auf das Weiterkommen ins Endspiel. Die Bayern, allen voran der zweifache Torschütze Gerd Müller, belehrten jedoch alle Nörgler und Kritiker eines besseren:

Vier Wochen später hielten Franz & Co den Henkelpott zum dritten Mal in den Händen.

Die Bundesliga beendete man damals übrigens als Dritter. Keiner jammerte. Alle waren nur mega stolz auf die Europapokalsieger.

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

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