FCB-Ehrenpräsident Uli Hoeneß hatte im Rahmen einer Podiumsdiskussion der FAZ erklärt, der Chefcoach des Rekordmeisters Thomas Tuchel habe sich außer Stande gesehen, junge Spieler zu fördern und stattdessen kostspielige Transfers gefordert. Dieser ließ dies nicht auf sich sitzen und reagierte vor dem gestrigen 2:1-BL-Sieg gegen Eintracht Frankfurt scharf und auch gekränkt: „Es kratzt mein tiefstes Verständnis als Trainer an. Das ist so meilenweit an der Realität vorbei, dass ich gar nicht darauf reagiert hätte, wenn es nicht von Uli Hoeneß gekommen wäre.“ Rekordnationalspieler Lothar Matthäus nimmt dazu als Sky-Experte Stellung und schlägt sich dabei auf die Seite des Mannes, mit dem er sich quasi die gesamte Saison gezofft hat.
„Unnötige Aussage von Uli. Ich verstehe es nicht. Vielleicht wird er auch falsch informiert.“ Die Theorie von Matthäus: Hoeneß ist womöglich nicht mehr nah genug dran, um die tagesaktuelle Arbeit von Tuchel zu bewerten. „Vielleicht hört er etwas und vermisst, die einzelnen Puzzleteile zusammenzusetzen.“ Der Zeitpunkt der Kritik von Hoeneß sei in jedem Fall schädlich. „Die sind drei Tage vor dem Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid. Diese Schlagzeilen braucht keiner“, betont Matthäus.
Die Trennung des FC Bayern von Tuchel zum Saisonende wurde im Februar beschlossen, dennoch fordert Matthäus von seinem Ex-Klub in den letzten Wochen der Zusammenarbeit Geschlossenheit, um das große verbleibende Saisonziel zu erreichen. „Das ist eine Phase, die für Thomas Tuchel wichtig ist, für die Bayern-Fans, für die Spieler des FC Bayern und natürlich für den ganzen Verein. Und deswegen sollte man wirklich alles bündeln“, meint der Experte. Stattdessen habe Hoeneß einen Bärendienst geleistet, auf den Tuchel antworten muss, da er andernfalls die Kritik hinnehmen würde. „Und das kotzt ihn an“, wird Matthäus deutlich.
Die Worte von Hoeneß kann Matthäus auch inhaltlich nicht nachvollziehen. „Ich bin nicht immer Thomas Tuchels Meinung gewesen, aber da kann ich ihm den Rücken stärken. Er hat es schon häufig bewiesen, wie er junge Spieler integriert, bei Chelsea, bei Paris Saint-Germain, in Dortmund, in Mainz oder auch jetzt beim FC Bayern. Man kann ihm einiges nachsagen, und er hat nicht alles richtig gemacht, aber das, was Uli losgelassen hat, das geht nicht“, schlägt sich Matthäus auf die Seite von Tuchel. Der Chefcoach hat beispielsweise den Wunsch nach einem Sechser von Format nicht erfüllt bekommen, stattdessen formte er Aleksandar Pavlović zum ernsthaften EM-Kandidaten beim DFB-Team. Der 19-Jährige debütierte erst im Oktober unter Tuchel in der Bundesliga.
