Philipp Lahm: Zur Kimmich-Debatte, scharfe Kritik am FC Bayern

Was ist die beste Position für Joshua Kimmich? Philipp Lahm kennt die Debatte, die aktuell um den Nationalspieler geführt wird, aus seiner eigenen Spielerkarriere und hat eine klare Meinung. Auch zur Situation beim FC Bayern findet er sehr kritische Worte.

Rechte Abwehrseite oder zentrales Mittelfeld? Die Diskussion, die immer wieder um Joshua Kimmich geführt wird, ist für Philipp Lahm keine unbekannte. Der Kapitän der Weltmeistermannschaft von 2014 war zu seiner aktiven Zeit selbst jahrelang Außenverteidiger, einer der besten der Welt. Als er die 30 Jahre überschritten hatte, positionierte ihn sein FCB-Chefcoach Pep Guardiola in der Zentrale. Auf dem Weg zum WM-Titel 2014 wechselte er jedoch im Laufe des Turniers zurück in die Viererkette. „Ein Spieler muss sich immer in der vom Trainer definierten Rolle einordnen. Das ist Teil des Leistungssports“, sagt er nun im Interview mit der BILD am Sonntag zur Positions-Debatte.

Sowohl beim FC Bayern als auch in der deutschen Nationalmannschaft haben Kimmichs Trainer sich zuletzt festgelegt, den 29-Jährigen (wieder) auf der rechten Abwehrseite einzusetzen. Lahm hätte wohl anders entschieden, hat aber Verständnis: „Joshua Kimmich ist für mich ein ausgebildeter Mittelfeldspieler und dort einen Tick besser. Aber er hat bewiesen, dass er Rechtsverteidiger spielen kann. Ein Trainer sieht aber, was seine Mannschaft wo braucht. Daher kann es sinnvoll sein, ihn als Rechtsverteidiger aufzustellen.

Kimmich musste in der laufenden Spielzeit viel Kritik einstecken, beklagte sich nach seinem Siegtor im Champions-League-Viertelfinale gegen Arsenal über fehlende Rückendeckung. Lahm springt ihm hier zur Seite: „Ich glaube nicht, dass es an Joshua Kimmich liegt, dass es in dieser Saison für den FC Bayern nicht gut gelaufen ist. Er hat eine sehr gute Einstellung, ist ein guter Spieler. Mit Kritik muss man sich beschäftigen, wenn man in der Öffentlichkeit steht. Das wird immer so sein.“

Wichtig sei Vertrauen in die Spieler: „Ein Verein darf an seinen wichtigen Spielern keine Zweifel aufkommen lassen. Das habe ich damals gespürt, an mir wurde nie gezweifelt. Das hat mich durch Phasen gebracht, in denen es nicht so gut lief. Das macht es dann einfacher, eine Führungsrolle zu übernehmen.“

Das Aus von Bayern-Trainer Thomas Tuchel am Saisonende führt Lahm auch auf die allgemeine Lage beim Rekordmeister zurück: „Die gesamte Situation beim FC Bayern war in den vergangenen Jahren nicht einfach. Kontinuität auf allen Ebenen ist enorm wichtig. Die war nicht gegeben: keine Stabilität, keine Ruhe. Es herrscht seit Jahren Unruhe – von der Führung bis zum Trainer. Dazu wurden viele Transfers getätigt, die nicht erfolgreich waren“.

Die fehlende Stabilität im Team sieht der 40 Jahre alte Lahm als weiteren Grund für die relativ mäßige Saison des Rekordmeisters. Ein Gerüst sei nie gebildet worden, „jetzt, ganz am Ende, passt es langsam: Es stehen in jeder wichtigen Partie Neuer, de Ligt, Dier, Kimmich, Goretzka, Musiala und Kane auf dem Feld. Das sind sieben Spieler plus Sané, wenn er fit ist, die gesetzt sind. Daran wurde viel zu wenig gearbeitet. So kann keine Mannschaft entstehen!“, meinte der frühere Bayern-Kapitän.

Natürlich hat der 40-Jährige im Großen und Ganzen absolut recht – aber bei seinem letzten Argument ignoriert auch er das unfassbare Verletzungspech des FCB in der noch laufenden Saison, die zudem doch noch mit dem Königsklassentitel gekrönt werden könnte. Denn außer den beiden genannten englischen Nationalspielern waren eigentlich alle anderen sechs Spieler – wie der ganze FCB-Kader – sehr häufig verletzt.

Titelbild: Der FCB-Kapitän mit dem Henkelpott nach dem 2013 in Wembley gewonnenen CL-Finale.

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Bayern Total

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen