Ex-CEO Oliver Kahn blickt zurück und äußert sich zur Krisensaison des FC Bayern

Vor knapp einem Jahr wurde Oliver Kahn als Vorstandsvorsitzender zusammen mit Hasan Salihamidzic beim FC Bayern einen Tag vor dem letzten Bundesliga-Spieltag entlassen.Letztendlich scheiterte er nicht zuletzt am schweren Erbe von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge. Heute ist der Champions League Sieger von 2001 versöhnlich gestimmt.

Als man mich gefragt hat, ob ich mir vorstellen könne, diese Verantwortung als CEO beim FC Bayern zu übernehmen, habe ich sehr schnell Ja gesagt. Ich habe eine Verpflichtung gespürt, dem Verein etwas zurückzugeben, mit dem ich so viel gewinnen durfte“, erklärt Kahn gegenüber SportBild. „Dass das nach der Ära von Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß sowie einem Jahrzehnt des Erfolgs nicht einfach werden würde und es auch unterschiedliche Auffassungen geben könnte – dafür musste man kein Prophet sein“, war dem 86-fachen deutschen Nationalspieler von Beginn an klar, welch schweres Erbe er antreten würde.

Kahn wurde ab Januar 2020 als Vorstandsmitglied auf den Schritt in die Hauptverantwortung vorbereitet. Dennoch war die Zusammenarbeit mit dem Vorstandsvorsitzenden Kahn ab Sommer 2021 von vielen Unstimmigkeiten geprägt. Der langjährige Klubpatron Uli Hoeneß erklärte die Trennung nachträglich unter anderem damit, Kahn habe zu geringen Arbeitseifer gezeigt und sich zu selten auf die Expertise seiner Vorgänger verlassen, stattdessen ein Heer von Beratern um sich geschart.

Der dadurch entstandene Eindruck stellt Kahn in kein gutes Licht. Im Herbst 2023 flogen deshalb noch einmal ein paar Giftpfeile zwischen ihm und Hoeneß. Die Medien haben das Szenario geliebt. Inzwischen aber will Kahn die Sache ruhen lassen: „Ich habe zu Uli in dieser schwierigen Zeit, als ich noch in der Verantwortung stand, gesagt: Egal, wie das Ganze hier ausgeht, ich werde nicht vergessen, dass er mich 1994 zum FC Bayern geholt hat. Und irgendwann sollte dann auch mal alles gesagt sein zu diesem Thema.“ Für den 54-Jährigen überwiegen nach eigener Aussage „die vielen positiven Momente und große Emotionen, die ich mit dem FC Bayern in 18 Jahren erlebt habe, bei Weitem die negativen“.

Zu seiner aktuellen Situation: „Ich musste schon öfters schwierige Dinge verarbeiten. Dann braucht man eine Zeit, schüttelt sich – und dann geht es weiter“. Mit Uli Hoeneß werde er „sicher irgendwann wieder an einem Tisch sitzen und miteinander sprechen“. Schadenfreude empfindet Kahn nicht im Geringsten, wenn er auf die schwierige laufende Bayern-Saison schaut, in der nach elf Meisterschaften in Folge die Schale nun erstmals nach Leverkusen geht.

Ich bin immer noch Fan des FC Bayern, das wird auch so bleiben“, betont Kahn. Im Sommer steht der nächste Umbruch an, das Aus von Cheftrainer Thomas Tuchel steht bereits fest. Ihn hatte Kahn zusammen mit Brazzo Ende März 2023 als Nachfolger von Julian Nagelsmann installiert. „Es sagt viel aus, wenn einer der begehrtesten Trainer in Europa, der in Paris ein mit schwierigen Stars besetztes Team ins Champions-League-Finale geführt hat und mit Chelsea die Champions League gewonnen hat, in München mit so vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hat“, so Kahn zur derzeitigen Situation an der Säbener Straße. Zumindest nach außen hin lässt er keine Genugtuung durchklingen.

Eine schwierige Situation für viele Seiten, großer Respekt für dieses doch sehr versöhnliche Interview, die Rückkehr des milde gestimmten Titanen.

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Bayern Total

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen