Das enttäuschende 0:2 gestern zuhause gegen ein biederes mittelmäßiges Borussia Dortmund kann man als Paradebeispiel für fast alle FCB-Niederlagen der letzten Jahre nehmen. Zu einer wiederholt unerklärlich leblosen Leistung kommt eine katastrophale Schiedsrichterleistung hinzu, die dann meist in unerklärlichen VAR-Entscheidungen ihre Krönung findet.
Die FCB-Stimmen:
FCB-Sportvorstand Max Eberl:
„Es war zu wenig Energie, zu wenig Wille – all das, was du sehen willst, war zu wenig bei uns heute. Dass die Jungs die Qualität haben, wissen wir, aber das müssen sie auch auf dem Platz zeigen. Gegen Dortmund muss es ein besonderes Spiel sein – und das haben wir nicht gezeigt. Wir haben heute ein bescheidenes Spiel gemacht. Unser Abstand nach oben ist deutlich größer als nach hinten. Wir müssen unsere Hausaufgaben machen und unsere Spiele gewinnen. Wir sollten Bayern München so vertreten, wie es sich gehört. Nächste Woche wartet in Heidenheim eine unangenehme Aufgabe. Das muss aber Bayern München sein, jeder muss wissen, mit welchem Trikot er dort aufläuft. Es muss dann auch die Vorbereitung auf Arsenal sein.“
Thomas Müller, der in Ansätzen sogar eine Erklärung (aber keine Entschuldigung) für das lethargische Auftreten bringt:
„Die Enttäuschung über unsere Leistung ist groß. Die Länderspielpause hat uns nicht gutgetan. Dazu war es schon ein kleiner Dämpfer, dass Leverkusen wieder einen Last-Minute-Sieg einfährt. Aber das ist keine Entschuldigung. Im Spiel selbst gibt es immer wieder Knackpunkte. Es war eine leblose Leistung, wir waren nicht effektiv genug. Wir hätten treffen können in den entscheidenden Momenten. Auf 90 Minuten gesehen hat Dortmund ordentlich gespielt, aber nicht die Sterne vom Himmel geholt. Sie haben verdient gewonnen. Wir hatten gehofft, dass das heute der Kickstart wird für die kommenden Wochen. Wir hatten in der ersten Halbzeit eine zu wilde Leistung. Individuell war es zu wenig. Wir sind gefragt, dass wir wieder in die Strömung kommen. Es ist enttäuschend, was wir heute gezeigt haben.“
Sven Ulreich, der mit seinem Patzer beim 0:1 die Niederlage einleitete:
„Wir haben heute keine Leistung gebracht. Uns hat von Anfang an die Energie gefehlt und wir haben den Esprit vermissen lassen. Es ist leider in der ganzen Saison schon so gewesen, dass wir Spiele drin hatten, wo uns die Ideen und die Energie fehlen. So gibt man Spiele leichtfertig her und das ist natürlich sehr enttäuschend. Wir müssen jetzt gegen Heidenheim ein anderes Gesicht zeigen, als Team auftreten und als Mannschaft zeigen, was wir können und was in uns steckt. Da brauchen wir mehr Energie, mehr Power, damit wir die Spiele in den nächsten Wochen auch erfolgreich gestalten können.“
Der enttäuschte bis wütende Bayern-Coach Thomas Tuchel:
„Wir sind sehr enttäuscht über die Art und Weise, weil wir das Gefühl haben, dass wir in keiner Phase den nötigen Spirit auf den Platz gebracht haben. Es war zu wenig von uns in den elementaren Basics, die es braucht, um gut zu sein. In den Schlüsselmomenten hatten wir zudem auch kein Glück. Es war insgesamt kein hohes Niveau von uns. Es war ein durchschnittliches Spiel und wir haben uns angepasst. Tempo, Biss, Leidenschaft haben wir vermissen lassen. Das war absolut zu wenig. Wir dachten, dass wir so ein Spiel nicht mehr erleben. Wir hatten etwas komplett anderes vor, aber wir haben es nicht auf den Platz gebracht.“
Der scheidende Bayern-Trainer war nach dem Spiel zudem sichtlich erbost über die Fehlentscheidung von Schiedsrichter Harm Osmers bei der Kung Fu-Aktion von Mats Hummels und die Tatsache, dass der VAR sich nicht eingeschaltet hat: “Ich würde einfach nur gerne wissen, ob er den Ball mit der Hand berührt. Deshalb gab es keinen Elfmeter, das war die Begründung. Das war dann falsch. Das ist natürlich eine krasse Fehlentscheidung, weil dafür ist ja der Keller da. Das ist die falsche Erklärung, das ist sehr ärgerlich. Über dem Kopf ist die Handbewegung mehr als unnatürlich, ein klarer Elfmeter. Es ist auf jeden Fall eine Schlüsselszene”.
Es gab dann als Aufklärung, dass es angeblich kein Handspiel geben kann, wenn der Ball vom eigenen Körper abspringt. Wie der gestrige Fall zeigt, eine weitere fast schon pervers falsche Regelauslegung im Fußball, welche quasi niemand kennt. Bedenkt man dabei, dass Hummels Bein bei seiner Rettungsaktion ganz nah am Kopf von Eric Dier in der Höhe überhaupt nichts zu suchen hat, ist es umso schlimmer. Trifft der ehemalige Nationalspieler den FCB-Innenverteidiger, hat das höchstwahrscheinlich eine schwere Gesichts- bzw. Kopfverletzung zur Folge und müsste mehrere Monate Sperre nach sich ziehen. Als Rettungsaktion gefeiert, war es schlichtweg brutal rücksichtslos.
Apropos rücksichtslos: Der Torschütze zum späten 2:0 des BVB, Julian Ryerson, hätte zu dem Zeitpunkt längst nicht mehr auf dem Platz stehen dürfen. Fast eine Stunde zuvor war er dem anschließend sichtlich angeschlagenen Jamal Musiala mit offener Sohle in die Achillesferse getreten. Sämtliche Spieler, welche dies in den letzten beiden Spielzeiten gegen BVB-Spieler und seit dieser Saison gegen Leverkusen-Spieler getan hatten, wurden prompt des Feldes verwiesen. Bei Bayern passiert dies seit vielen vielen Jahren regelmäßig nicht mehr. Medial kein Thema.
SR Harm Osmers, der bei der Szene fast direkt neben Musiala und Ryerson stand, entschuldigte sich danach beim 21-jährigen Bayernspieler. Anstelle eines Platzverweises gab er nicht einmal Foulspiel. Lächerlich.
Und dann sind wir wieder beim VAR: Benjamin Cortus aus Nürnberg(!!) – eine weitere unglaubliche Ansetzung der DFL, deren Boss ja auch der des BVB ist: Watzke. In den beiden geschilderten Szenen meldete sich Cortus nicht. Als Harry Kane dann kurz vor Ende der regulären Spielzeit den vermeintlichen FCB-Anschlusstreffer erzielte, zog der Nürnberger dann aber wohl minutenlang irgendwelche Linien, bis er beweisen konnte, dass irgendein Körperteil des englischen Nationalspielers sich ein, zwei Millimeter im Abseits befand. Aus der Kurve kam passend der Chor: „Ihr macht unseren Fußball kaputt!“
Osmers, Cortus & Co. sind zwar keine Entschuldigung für die schwache leblose Leistung fast aller FCB-Spieler. Diese Kombination ist jedoch für den leidenden Bayernfan jedesmal wieder eine absolute Höchststrafe und eine Garantie für einen – bei den meisten langen – frustrierten Nachhauseweg.
