Ursprünglicher Beitrag vom 23. März 2024 (vor dem 2:0-Sieg in Frankreich), unten anhängend das heutige Update:
In knapp einem Vierteljahr startet die Heim-EM mit dem Eröffnungsspiel Deutschland gegen Schottland in München. Der FCB-Nationalspieler Joshua Kimmich glaubt, dass wie 2006 beim Sommermärchen „etwas richtig Cooles und Großes“ entstehen kann. Die Stimmung im DFB-Team bezeichnet er als positiv.
In den letzten Turnieren lief es für die deutsche Nationalmannschaft wahrlich nicht gut, so ist die Sehnsucht nach Erfolg und einem Sommermärchen reloaded gewaltig. „Da kann etwas richtig Cooles und Großes entstehen„, hofft Kimmich im Hinblick auf die EURO im Interview mit der Welt am Sonntag. „Ich denke, die Menschen sind bereit dafür. Aber wir als Mannschaft müssen den ersten Schritt gehen und erfolgreich sein, dann können wir die Menschen abholen und sie emotionalisieren.“
Allerdings befürchtet der 29-Jährige, „dass die Negativserie, die wir hatten, in den Köpfen der Menschen drin ist„. Für den Bayernspieler ist dies nachvollziehbar. „Doch ich betrachte das erste Gruppenspiel gegen Schottland als große Chance für uns. Da können wir die Stimmung entfachen. Wir müssen alles daran setzen, positiv zu starten und es unbedingt vermeiden, gleich wieder Druck auf uns zu laden.„
Heute testet die Auswahl von Nagelsmann erst einmal in Frankreich, am Dienstag gegen die Niederlande. „Ich spüre eine gute Energie bei uns„, betont Kimmich und erklärt: „Jeder hängt sich rein, ob die, die neu dabei sind oder auch die, die schon länger zum Kreis dazugehören. Jeder hat Lust und Hunger darauf und brennt auf das, was kommen wird. Das ist genau das, was wir brauchen. Jeder muss natürlich seine Rolle finden, aber am Ende zählt es, dass wir als ein Team auftreten.“
Das deutsche Team von 2024 ist sicherlich nicht weniger talentiert als der WM-Dritte von 2006. Ob es allerdings wieder ein Sommermärchen geben kann? 2006 hatte schon ein eher schmuckloses 4:2 im Eröffnungsspiel gegen Costa Rica ebenfalls in München gereicht, um die ersten Hoffnungsfunken zu entzünden, welche sich von Spiel zu Spiel eben zu jenem märchenhaften Sommererlebnis entwickelt hatten. Deutschland hat sich – leider – in den letzten 18 Jahren verändert. Selbst jenes Sommermärchen wollten einige Medien in Deutschland später schlechten reden und schreiben …
Update 24. März 2024:
Tatsächlich hat die deutsche Nationalmannschaft gestern beim souveränen absolut verdienten 2:0-Auswärtssieg beim EM-Favoriten Frankreich eine tadellose Leistung abgeliefert. Die beste seit vielen vielen Jahren. Vielleicht sogar seit der WM 2014, die man als viel umjubelter Weltmeister abgeschlossen hat.
Schon ein Blick auf die Startelf – fast ausschließlich Schlüsselspieler der CL-Viertelfinalisten FC Bayern, Real Madrid, FC Barcelona, Arsenal und des in dieser Saison überragenden Bayer Leverkusen – ließ Vorfreude auf das Match aufkommen. Und die Mannschaft überzeugte auf ganzer Linie gegen die wohl weltbeste Nationalmannschaft der letzten zehn Jahre.
Es scheint so, als wäre Julian Nagelsmanns stark verändertes Team tatsächlich reif für ein Sommermärchen reloaded, wie weit auch immer die Reise bei der Heim-EM gehen kann.
Aber was ist los mit den deutschen Fußballfans? Natürlich gab es von der Leistung begeisterte und euphorisierte Kommentare zur gestrigen bockstarken Leistung. Aber leider auch fast genauso viele Nörgler, Ewig-Besserwisser und Dauer-Skeptiker. Von „Eintagsfliegen“ und „eine Schwalbe …“ war in den Spielbewertungen nicht selten die Rede.
Plötzlich sind auch Freundschaftsländerspiele kein Maßstab mehr. Dagegen wurde das deutsche Team 2023 nach den schmachvollen Niederlagen in eben solchen gegen Japan, die Türkei und Österreich nahezu verbal vernichtet.
Der gut informierte Fußballfan weiß, dass Deutschland als Ausrichter der Heim-EM 2024 nach dem Ausscheiden bei der WM 2022 bis zu dieser eben nur Freundschaftsspiele hat. Diese sind übrigens auch wesentlich aussagekräftiger, wenn sie gegen hochkarätige Gegner wie Frankreich und die Niederlande bestritten werden, als EM- und WM-Quali-Kantersiege gegen Liechtenstein, San Marino, Gibraltar und Andorra.
Frankreich hat gestern auch tatsächlich enttäuscht – wie viele deutsche Fußball-Experten meinten, um die deutsche Leistung herunterzuspielen. Ja, L´Equipe Tricolore hat enttäuscht, weil sie einer dominanten deutschen Mannschaft insgesamt wenig entgegen zu setzen hatte – das hat sogar der französische Coach Didier Deschamps exakt so gesehen und bestätigt.
Die Kommentare zur famosen deutschen Teamleistung (inkl. Taktik Nagelsmann) waren tatsächlich teilweise so ärgerlich, dass man die Überschrift des gestrigen Beitrags auch in Die deutsche Mannschaft ist bereit für ein „Sommermärchen reloaded“ – aber auch die Fans? hätte umschreiben können, wenn nicht müssen.
