Die Saison 2023/24 ist aus Sicht des FC Bayern eine verrückte. Dass dies bei den Profis von (Noch-)Cheftrainer Thomas Tuchel der Fall ist, ist allgemein bekannt. Aber auch die U19 des Rekordmeisters befindet sich auf einem extremen Schlingerkurs: In der Bundesliga-Staffel Süd/Südwest so schwach wie nie seit der Campus-Eröffnung 2017 befindet man sich international weiterhin auf Erfolgskurs.
Gestern Nachmittag feierte die Mannschaft von Cheftrainer René Marić einen knappen 3:2 (3:0)-Sieg über den Nachwuchs von Feyenoord Rotterdam und steht somit erstmals überhaupt – beim zehnten Versuch – im Viertelfinale der UEFA Youth League!
Die jungen Bayern gingen vor heimischer Kulisse im ersten Spielabschnitt durch die Treffer von Benedikt Wimmer, Javier Fernández und Emirhan Demircan klar mit 3:0 in Führung. Nach dem Pausenpfiff kamen die Niederländer dank der Tore von Fabiano Rust (52.) und Djomar Giersthove (55.) nochmals zurück in die Partie. Dank einer starken Defensivleistung blieb es am Ende beim knappen Erfolg über das von Robin van Persie betreute Feyenoord.
In der Bundesliga dümpeln die Jungs dagegen aktuell auf einem sehr enttäuschenden 8. Tabellenplatz (bei 14 Vereinen), sogar einen Platz hinter dem benachbarten Lokalrivalen, bei dem man am kommenden Wochenende antreten muss bzw. vielleicht auch darf, um die Verhältnisse zurecht zu rücken.

International klappt es dagegen wesentlich besser. In der Vorrunde der Youth League traf man auf dieselben Gegner wie die Profis: Kopenhagen, Galatasaray und Manchester United. Nach zwei unglücklichen Niederlagen in der Hinrunde in Kopenhagen und Istanbul gewann man alle drei Rückspiele und qualifizierte sich – knapp hinter den Dänen – mit 12 Punkten als Gruppenzweiter.
So kam es vor wenigen Wochen zum Relegationsspiel beim Schweizer Meister FC Basel. Mit einem souveränen 2:0-Auswärtssieg qualifizierte man sich erst zum dritten Mal überhaupt bei bisher zehn Teilnahmen für das Achtelfinale des Wettbewerbs. Und mit dem gestrigen Sieg gegen Feyenoord sogar zum ersten Mal für das Viertelfinale. Dort muss in zwei Wochen wiederum auf dem heimischen Campus auch gegen Olimpiakos Piräus längst noch nicht Schluss sein.
Zum letzten U19-Achtelfinale des FCB-Nachwuchses vor vier Jahren:
Auf Bayernseite konnten damals Jamal Musiala, Malik Tillmann, Angelo Stiller das Ausscheiden gegen Zagreb nicht verhindern. Bester Campus-Spieler war zu der Zeit aber Oliver Batista Meier, der seit kurzem in der ersten Schweizer Liga bei Grashoppers Zürich spielt. Bei den Kroaten unterlief Josko Gvardiol ein Eigentor. Seit seinem Wechsel im letzten Sommer von RB Leipzig zu Manchester City ist er mit einer Ablösesumme von 90 Millionen Euro der teuerste Abwehrspieler der Fußballgeschichte.
Zurück zur Gegenwart: Der FC Bayern scheint sich in dieser Saison bei der U19 komplett auf die Youth League zu konzentrieren. Nur da laufen regelmäßig die besten Spieler dieses Jahrgangs – unter anderem die vier U17-Weltmeister des letzten Spätherbsts – auf, auch Lovro Zvonarek, der zuletzt häufiger im Profikader stand.
Die anderen drei Viertelfinalspiel des Wettbewerbs lauten:
Mainz 05 – FC Porto
FC Nantes – FC Kopenhagen
AC Milan – Real Madrid
PS: Vielleicht klappt ja bei den Bayern – Profis und U19 – in dieser chaotischen Saison international das, was national weit entfernt scheint (Profis) bzw. bereits unmöglich ist: Ein Titel. Beide Mannschaften müssen jedoch realistisch als Außenseiter eingeschätzt werden.

2 Kommentare zu „Historischer Erfolg der FCB-Jugend in Europa in einer chaotischen Saison“