Sehr interessante Details: Nagelsmann spricht erstmals über seine Entlassung beim FC Bayern

Passend zur aktuellen Situation um Thomas Tuchel spricht der jetzige Bundestrainer Julian Nagelsmann im Interview mit dem Spiegel erstmals öffentlich über seine Entlassung beim FC Bayern vor elf Monaten. Dabei räumt er auch mit einigen Unwahrheiten auf, die aus seiner Sicht nach seinem Rauswurf in München verbreitet wurden.

So etwa wurde in den Medien behauptet, dass ihm unter anderem von der Vereinsseite vorgeworfen worden war, sich um zu viele andere Dinge abseits seiner Arbeit auf dem Platz zu kümmern. Er hätte den Job als Bayern-Trainer teilweise sogar vernachlässigt. Dies korrigiert Nagelsmann nun: „Mir wurde damals vorgeworfen, ich sei nach einer Niederlage gegen Bayer Leverkusen nicht erreichbar gewesen. Das stimmte einfach nicht. Ich war von Montag bis Mittwoch ganz normal im Büro am Trainingsgelände an der Säbener Strasse. Als Einziger übrigens, sonst war keiner der Verantwortlichen da. Ich bin dann Mittwochmittag bis Freitagmorgen in den Kurzurlaub gefahren. Das war auch so genehmigt.„

Ursprünglich sei er im Sommer 2021 geholt worden, um einige Dinge beim Rekordmeister zu verändern. Aus seiner Sicht erhielt er zu wenig Zeit: „Es gibt Klubs, die geben einem die Zeit. Die Trainer bei Bayern München bekommen nicht so viel Zeit, um etwas zu entwickeln.“

Als in der Meisterschaft zwischenzeitlich neun Punkte Vorsprung auf den BVB verspielt wurden und Thomas Tuchel verfügbar war, reagierten die damals verantwortlichen Oliver Kahn (FCB-Vorstandsvorsitzender) und Hasan Salihamidzic (Sportvorstand).

Nagelsmann deutet diesbezüglich auch einen Vertrauensbruch an und stellt allgemein die Ehrlichkeit im Fußballbusiness infrage: „Das, was nach einer Trennung nach außen kommuniziert wird, hat mit der Realität wenig zu tun. Im Fußball geht es nicht immer supernett zu. Da hilft es auch nichts, wenn man ein gutes Verhältnis zu den Entscheidungsträgern hat. Und das hatte ich zu Oliver Kahn und zu Hasan Salihamidzic. Wir haben besprochen, wie wir gemeinsam damit umgehen wollen, wenn ein Worst-Case-Szenario eintritt. Aber dann war doch alles anders. Da stellt man sich die Frage: Wie weit öffne ich mich in Zukunft gegenüber Protagonisten in dieser Branche? In dem Geschäft fehlt es an Offenheit.„

Der jetzige Coach der deutschen Nationalmannschaft lässt sich auch nicht verbiegen, wie er ausführt: „Ich habe nun mal andere Charakterzüge als zum Beispiel Jupp Heynckes. Ich mache manche Dinge eben anders, schon weil ich jünger bin. Ich stehe bei Spielen des FC Bayern nicht im beigen Trenchcoat an der Linie, nur weil das einige meiner Vorgänger gemacht haben. Die Verantwortlichen in München wussten vorher, dass ich auch mal eine rote Jacke anhaben würde. Und es hat sie nicht gestört. Aber im Misserfolg werden solche Nebensächlichkeiten einem gern aufs Brot geschmiert.„

Es ist absolut vorstellbar, dass Nagelsmann noch einmal Cheftrainer des FC Bayern wird, während die vor einem Jahr für seine Entlassung Verantwortlichen sicherlich nie wieder ein verantwortungsvolles Amt beim Rekordmeister bekleiden werden.

Jupp Heynckes wurde übrigens 23 Jahre nach seinem Versprechen auf dem Rathausbalkon bei der Meisterfeier auf dem Marienplatz, den Europapokal nach München zu holen, Champions League Sieger mit dem FC Bayern. 16 Monate nach dem Versprechen 1990 wurde er übrigens im Herbst 1991 von Uli Hoeneß entlassen – der Ehrenpräsident spricht davon noch heute von seinem schlimmsten Managementfehler … So lange muss es beim Julian nicht unbedingt dauern!

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Bayern Total

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen