Kommentar von Petersgradmesser
Nun ist es ganz offiziell: Der FC Bayern braucht spätestens zur neuen Saison einen neuen Trainer. Unzählige kleine Puzzlesteinchen haben den aktuellen FCB-Chefcoach Thomas Tuchel, der mit großen internationalen Meriten an der Säbener Straße gestartet war, aus seinem Amt geekelt. Man könnte ein ganzes Buch darüber schreiben. Ich möchte aber nun lieber optimistisch nach vorne schauen.
Dazu aber noch ein Rückblick: Am 30. September 2022 überrollten Nagelsmanns turmhoch überlegene Bayern den bemitleidenswerten CL-Teilnehmer Bayer Leverkusen am 8. Spieltag der Bundesliga-Spielzeit 2022/23 mit 4:0. Vizekusen befand sich zu dem Zeitpunkt im freien Fall und in der BL-Tabelle an der vorletzten Stelle. Die Verantwortlichen des Werksvereins reagierten sehr schnell und verpflichteten den Ex-FCB-Spieler Xabi Alonso, der bis zu diesem Zeitpunkt keinen einzigen Profiverein betreut hatte.
Der Rest ist eine einzige Xabi/Leverkusen-Erfolgsstory, aber leider keine des FC Bayern: Ein knappes halbes Jahr später besiegte Bayer den Rekordmeister im BL-Rückspiel an einem trüben Sonntagabend dank zweier kurioser Elfmetertore mit 2:1. Für Kahn & Brazzo der Anlass, Nagelsmann – obwohl er noch Triple-Ambitionen für sich in Anspruch nehmen konnte – gegen den gerade verfügbaren Toptrainer Thomas Tuchel auszutauschen. Eine verhängnisvolle Situation, Aktion und letztendlich für alle Beteiligten ein fatales Missverständnis. Der heute 50-Jährige hatte eigentlich nie eine faire Chance in München. Der FCB feierte am Saisonende trotzdem seine elfte Meisterschaft in Serie. Übrigens: Obwohl es eine Last-Minute-Entscheidung war, hatte es der Rekordmeister vom ersten bis zum letzten Spieltag weit mehr als der Rivale aus Dortmund verdient – das soll hier einmal eindeutig festgehalten werden.
Parallel führte Xabi Bayer Leverkusen vom BL-Abstiegsplatz in die Europa League.
Und fast genau ein Jahr nach der 0:4-Klatsche in München präsentierte sich der Ex-FCB-Stratege Xabi zum ersten Mal als Chefcoach eines Profiteams in seiner alten Fußball-Heimat. Dem erstaunten FCB-Fan wurde da zum ersten Mal eine unglaubliche Metamorphose der Bayer-Mannschaft bewusst. Auch wenn Xabis Truppe am Ende das 2:2-Unentschieden einer Fehlentscheidung des schwachen Schiedsrichters Daniel Schlager zu verdanken hatte, war das Spielsystem überragend. Während bei Tuchels Bayern vieles auf die individuelle Klasse einzelner Spieler aufbaute, war es das Bayer-Kollektiv, welches restlos überzeugte. Obwohl SR Schlager mittlerweile nach mehreren Einsätzen durchaus das Potenzial zum Feindbild der Bayern(fans) hat, war das Remis letztendlich nicht unverdient. Und der FCB hatte wahrlich keinen schlechten Abend. Das Match war übrigens mindestens so gut wie das zuletzt so sehr in den Himmel gelobte Pokalspiel zwischen Leverkusen und dem VfB.
Die aktuelle Situation ist bekannt: Bayer hat extrem schwächelnde Bayern mittlerweile in der Bundesliga weit abgehängt – um das aus Sicht des Rekordmeisters noch umzudrehen, bedarf es eines Fußballwunders.
Weil Tuchel mit seinem Verein und vor allem auch den Fans schon in der ergebnismäßig guten Hinrunde ziemlich fremdelte, meldeten die Medien bereits im Herbst ein Interesse des Rekordmeisters an Xabi als Tuchel-Nachfolger. Garniert mit der Information, dass dieser sich in den Bayer-Vertrag eine Klausel hat einbauen lassen, dass er kurzfristig wechseln darf, wenn seine Ex-Vereine Liverpool, Real Madrid und Bayern anklingeln.
Und jetzt sollten Eberl, Freund und Co zeitnah Nägel mit Köpfen machen und Xabi erklären, was für eine Wichtigkeit es für die Fußballstadt München hat, im nächsten Jahr das Finale dahoam reloaded zu gewinnen!
Viele Bayernfans raten Xabi jedoch von einem baldigen FCB-Engagment ab. Die Argumente sind vielfältig, dazu nur ein kleiner Auszug: Er solle sich diesen Hexenkessel in München nicht antun. Leverkusen ist aktuell die bessere Fußball-Adresse, auch in der kommenden Saison und darüber hinaus. Andere meinen, Xabi müsste erst noch mehr Meriten als Fußballtrainer einfahren und der FCB käme zu früh für ihn.
Sorry, alles Quatsch!
Nach dieser Saison hat Xabi schon mehr Profi-Fußballtrainer-Erfahrung als Pep Guardiola 2008, als er beim FC Barcelona Cheftrainer wurde und die erfolgreichste Ära der Vereinsgeschichte der Katalanen prägte. Xabi ist als Trainer ein Jahrhunderttalent! Womöglich bereits mit 42 Jahren der beste Trainer der Welt!
Im Gegensatz zu den Engagements von Nagelsmann und Tuchel ist kein ernsthafter Gegenwind aus irgendeiner FCB-Fanecke zu erwarten. Das nimmt auch dem sensationslüsternen Boulevard das sonst so große Potenzial zu zündeln weg. Xabi kennt sich beim Rekordmeister aus. Der Kontakt ist nie abgebrochen.
Abgesehen davon, dass Leverkusen diese bislang so überragende Saison tatsächlich auch noch erfolgreich abschließen muss, wird eine Wiederholung in der nächsten Saison umso schwieriger sein. Zum einen wird ganz Fußball-Europa auf der Jagd nach den begehrten Bayer-Profis sein. Zum anderen wäre die Werkself in der kommenden Saison die gejagde. So ein Szenario konnten in den letzten fast 30 Jahren nur die Bayern meistern – kleine Ausnahme: Borussia Dortmund 2010-2012. Aber danach schlug das bayerische Imperium zu!
In Hinsicht auf das nächstes Jahr in München stattfindende CL-Finale wird der FCB im Sommer alle Hebel in Bewegung setzen, damit die Scharte von 2012 ausgemerzt werden kann. Für Xabi ein überragender Moment, um in ein Münchner Langzeitprojekt einzusteigen – in vielerlei Hinsicht als legitimer Nachfolger seines spanischen Landsmannes Guardiola. Leider wollte der in München sein Werk nicht vollenden. Will Xabi in 2024 nicht, könnten ihm in München für einige Jahre die Türen versperrt sein. Denn womöglich fängt Zinedine Zidane seit heute Vormittag an, Deutsch zu lernen…

Xabi würde überragend zum FC Bayern passen. Genau. Aber ganz genau der richtige Mann.
Warum ihm jetzt zahlreiche FCB-„Fans“ dazu raten würden, nicht nach München zu kommen, ist mir als glühendem Bayernfan ein Rätsel.
Will ich für meinen Verein das beste oder nicht?