Kommentar von Petersgradmesser
Wenn in es in den letzten Jahren beim FC Bayern nicht so wirklich gut lief, dann wurde medial zunächst spekuliert und kurz darauf felsenfest behauptet: Der jeweilige Bayerntrainer „hat die Kabine verloren„. Dies kostete letztendlich dem vielmaligen CL-Sieger Carlo Ancelotti, Niko Kovac und im letzten Jahr Julian Nagelsmann den Job. Bei letzterem war es schon sehr zweifelhaft, ob dies jemals der Fall gewesen ist. Und nun setzt sich dieses Spielchen bei Thomas Tuchel fort. Ein ehemaliger deutscher Nationaltorwart schließt sich dieser These nun an.
Nachdem man bereits 0:3 in Leverkusen und 0:1 in Rom verloren hatte, musste sich der FC Bayern am Sonntag 2:3 in Bochum geschlagen geben. Der Druck auf Thomas Tuchel hat damit weiter zugenommen. „Selbstverständlich“ bleibe Tuchel laut FCB-CEO Jan-Christian Dreesen Cheftrainer beim Rekordmeister. Dennoch wird längst über Tuchels Zukunft an der Säbener Straße spekuliert, es werden Namen wie Zinedine Zidane und Xabi Alonso gehandelt.
Unterdessen sollen nur noch wenige Bayernspieler zu Tuchel stehen. „Thomas Tuchel hat einen Großteil der Kabine verloren„, behauptet nun Timo Hildebrand in der ran Bundesliga Webshow über das Mannschaftsklima beim FC Bayern.
Dass Tuchel keine Rückendeckung von seinem Team erhalte, sei ein Grund für die „Negativität auch im Spiel„, so der frühere deutsche Nationaltorhüter. „Die Mannschaft steht einfach nicht mehr hinter ihm. Man hat keinen Flow, es wirkt alles unrund.“ Sich vor einem Jahr von Julian Nagelsmann getrennt zu haben, erachtet Hildebrand als Fehler. „Es hat mich überrascht, dass der FC Bayern da so ungeduldig war„, so der 44-Jährige, der 2007 Meister mit dem VfB Stuttgart wurde. „Ich dachte bei der Verpflichtung von Julian Nagelsmann wirklich, er ist der perfekte Mann für Bayern München und wird diesen Verein auch über Jahre hinweg prägen.“
Es ist FC Bayern Total nicht bekannt, wie sich Hildebrand vor einem Jahr zur Entlassung von Nagelsmann aufgrund dessen angeblichen Verlusts der Bayernkabine geäußert hat. Ansonsten kann man ihm zur Einschätzung der damaligen Situation nur zustimmen.
Andrerseits ist es überraschend, wie schnell sich alle – TV-Experten, Medien im allgemeinen und die Fans an den Stammtischen (auch den virtuellen) auf diese Version einigen.
Persönlich überrascht mich aber auch jedesmal die angebliche Reaktion der Bayernprofis: Wenn ich als Spieler von meinem Trainer genervt war und/oder nicht eingesetzt wurde, dann wollte ich es ihm im (nächsten) Spiel erst recht zeigen, wie gut ich war. Bei mir hat das eine maximale Motivation erzeugt. Und die jetzigen Spieler sollen deshalb tatsächlich keine Leistung bringen (können)? Diese Mimöschen-Theorie erscheint mir nicht logisch: Weil ich nicht mehr hinter dem Trainer stehe, verzichte ich als Bayernspieler auf große Titel?
