Die Würdigungen des am Sonntag im Familienkreis verstorbenen Franz Beckenbauer reichen weit über die deutschen Landesgrenzen hinaus. So ist der Kaiser auch bei der Supercopa, dem spanischen Supercup, präsent. Heute Abend spielen im saudi-arabischen Riad Real Madrid und Lokalrivale Atlético Madrid das erste Halbfinale.
Die Profis beider Mannschaften laufen dabei mit Trauerflor auf. Zudem gedachten sie dem Kaiser vor dem Anpfiff mit einer Schweigeminute. Das galt allerdings nicht für alle Stadiongäste.
Denn als die Profis andächtig am Mittelkreis standen, gab es von den Rängen lautstarke Pfiffe. Was genau hinter diesem pietätlosen Verhalten der saudischen Fans steckt, ist unklar. Eine Möglichkeit könnte Beckenbauers Rolle rund um die WM-Vergabe nach Katar sein. Saudi-Arabien pflegt keine gute Beziehung zum kleinen Nachbarland.
Die Pfiffe gegen Beckenbauer dürften indes gerade Toni Kroos, der zu Spielbeginn auf der Bank Platz genommen hat, übel aufstoßen. Der Rio-Weltmeister hatte in seinem Podcast „Einfach Mal Luppen“ kürzlich mehr Respekt für Größen des Sports gefordert.
„Lasst uns akzeptieren, dass jemand so groß ist und so ein guter Mensch ist, dass er es verdient, zu Lebzeiten durchgehend gefeiert zu werden„, sagte Toni Kroos, meinte dabei aber eher unsere Gesellschaft.
Ende Dezember 2023 hätte schon der türkische Supercup zwischen Galatasaray und Fenerbahce in Riad stattfinden sollen. Das Spiel wurde aus skandalösen politischen Gründen kurz vor Spielbeginn abgesagt, seither beschuldigen sich deswegen Türken und Saudis gegenseitig.
Pervers erscheint vor diesem Hintergrund die Idee des FIFA-Präsidenten Infantino zu sein, nach Katar die WM 2034 wieder in jener Region, tatsächlich in Saudi-Arabien, stattfinden lassen zu wollen.
Fußballfans, Fußballspieler, Funktionäre – stoppt diesen Wahnsinn!
Update 12. Januar 2024
Es wird noch immer gerätselt, was zahlreiche saudische „Fußballfans“ zu dieser schäbigen skandalösen Geste gegen den verstorbenen Franz Beckenbauer bewogen hat.
Als Toni Kroos Mitte der 2. Halbzeit von Carlo Ancelotti eingewechselt wurde, wurde er zum zweiten Deutschen an jenem Fußballabend in Riad, der von den Saudis heftig ausgepfiffen und ausgebuht wurde. Haben die Saudis allgemein etwas gegen Deutschland und Deutsche?
Kroos selbst hätte ihnen zumindest so etwas wie einen Anlass gegeben, um ihn auszupfeifen: Im vergangenen Sommer hatte er die Wechsel vieler Fußballer nach Saudi-Arabien kritisch kommentiert und betont, dass die Menschenrechtslage in dem Land der Grund sei, der ihn von so einem Wechsel abhalten würde.
Mit Kritik kann nicht jeder umgehen, aber was haben Kroos´ Äußerungen mit dem verstorbenen Franz zu tun? Auf X gab es einige Kommentare mit dem Grundtenor: „Würde ich jetzt hier offen meine Meinung zu der saudischen Aktion kundtun, würde ich auf der Plattform sofort gesperrt werden.“
Der saudische Fußballverband muss sich zu diesem Skandal äußern. Ohne plausible Erklärung und eine reumütige Entschuldigung sollte nicht einmal eine Bewerbung für irgendein FIFA-Jugendturnier in diesem Jahrhundert akzeptiert werden….
Update 7. Februar 2024
Wie die SportBILD aktuell berichtet, hat der DFB nun eine offizielle Beschwerde beim Verband von Saudi-Arabien eingereicht. Dieser hat sich für das krasse Fehlverhalten seiner Fans bislang weder entschuldigt noch ein Statement dazu abgegeben.
Man darf gespannt sein, ob die Saudis nun reagieren werden, und wenn, in welcher Form.
