Markus Babbel hatte als Spieler des FC Bayern (1981-2000) zu den sympathischen angenehmen Zeitgenossen gezählt. Zuletzt als sog. TV-Experte schlug er jedoch den Weg von vielen nervigen Kollegen ein und versuchte weniger mit brillanten Analysen als mit überzogener Kritik zu punkten. In einem Interview bei ran zum Tod seines früheren Trainers und Präsidenten Franz Beckenbauer beim FC Bayern fand er nun seine alte Klasse wieder.
Babbel zur Lebensleistung des Kaisers: „Das geht weit über den deutschen Fußball hinaus. Er war einfach ein Aushängeschild Deutschlands. Er war Repräsentant und Außenminister (lächelt). Er hat wahnsinnig viel für das Land geleistet. Natürlich aufgrund seiner fußballerischen Außergewöhnlichkeit, aber eben auch aufgrund seiner Art, wie er einfach war. Er hat so viele Sympathien nach außen getragen. Ich denke, das ist das größte Vermächtnis.“
So ist es für den 51-jährigen gebürtigen Gilchinger (südwestlich von München) keine Überraschung, dass „alle Größen der Welt sich zu Wort gemeldet“ haben. „Und auch Titelseiten von Tagezeitungen waren ihm gewidmet. Bei uns in Deutschland, ja klar, das versteht man. Aber dass er sogar im Ausland gehuldigt und gewürdigt wird, ist der größte Ritterschlag, den man bekommen kann.“
Babel gerät über Franz Beckenbauer ins Schwärmen: „Wenn man es rein sportlich betrachtet, ist er in einer Riege mit Ali, Pele, Maradona. Ganz klar. Trotzdem hat er darüber hinaus so viel mehr getan, als man eigentlich von einem Spieler erwarten kann. Mit der Weltmeisterschaft 2006 hat er es geschafft, unser Land in ein ganz neues Licht zu rücken. Die ganze Welt war plötzlich begeistert, wie cool eigentlich Deutschland ist.
Er hat einfach wahnsinnig viel dafür getan, dass sich das Bild der Deutschen in der Welt extrem zum Positiven gewandelt hat. Und vor allem hat er es geschafft, dass den Menschen in Deutschland damals eine Glückseligkeit widerfahren ist, die man so nicht für möglich gehalten hätte.„
Der vierfache deutsche Meister mit dem FC Bayern zum Thema, dass dem Kaiser ausgerechnet das Sommermärchen 2006 Jahre später auf die Füße gefallen ist und ob unklare Zahlungen bei der Bewerbung für die Weltmeisterschaft dem Vermächtnis von Beckenbauer geschadet haben: „Für mich persönlich nicht. Nullkommanull. Ich hoffe, dass der FC Bayern ihm eine Statue neben Gerd Müller widmet. Er hat sich aufopferungsvoll eingesetzt, damit die Weltmeisterschaft zu uns kommt, hat die ganze Welt bereist. Klar gibt es die Moralapostel, die sagen: ‚Moment mal, da stimmt etwas nicht mit den Zahlungen.‘ Ich kann es nicht beurteilen. Für mich hat er einfach ein unglaubliches Glücksgefühl nach Deutschland gebracht. Darüber hinaus haben viele Vereine ihre Stadien und Infrastruktur verbessern können, so dass die Bundesliga mit hochmodernen Stadien und tollen Anfahrtswegen jetzt noch sehr attraktiv ist.“
Beckenbauer hat sich in den vergangenen Jahren unter anderem auch deshalb zurückgezogen, weil er die Kritik an seiner Person nicht verstanden hat. Auf die Frage, was er empfindet, wenn jetzt ausgerechnet diejenigen den Kaiser posthum huldigen, die ihn jahrelang demontieren wollten, reagiert der Europameister von 1996 wütend:
„Ich ertrage diese Scheinheiligkeit nicht. Ich will gar nicht bewerten, was damals passiert ist. Wenn jemand damit ein Problem hat, weil etwas vielleicht nicht sauber gelaufen ist, dann ist das berechtigte Kritik. Aber ich muss immer die Verhältnismäßigkeit sehen. Der Mehrwert war so groß, gemessen an dem, was vielleicht nicht ok war. Deshalb konnte ich diese Jagd auf ihn überhaupt nicht verstehen. Und wenn jetzt diese Journalisten wieder herauskommen und großartig darüber schreiben, was für ein Hero er für sie war, dann finde ich das absolut scheinheilig.„
Der Ex-FCB-Spieler zu seiner gemeinsamen Zeit mit dem Kaiser bei Bayern: „Ja, ich hatte das große Glück. Beim FC Bayern als Trainer und als Präsident. Das war schon außergewöhnlich. Franz Beckenbauer steht über allen. Wenn er in den Raum kam, dann wurde es wirklich hell. Er war die außergewöhnlichste Persönlichkeit, die ich kennengelernt habe. Egal ob Putzfrau oder Vorstandvorsitzender – er hat alle gleich behandelt. Und so war er auch mit uns Spielern. Franz Beckenbauer hat es geschafft, Spieler zwar zu kritisieren. Aber eben in einer Art und Weise, dass man trotzdem mit einer breiten Brust rausgegangen ist. Das war schon beeindruckend.“
