Taktische Meisterleistung: Tuchel erteilt Hoeneß eine Lehrstunde

Der VfB Stuttgart spielt eine für seine Verhältnisse überragende Hinrunde, FCB-Coach Thomas Tuchel hatte diese Leistung auf der Pressekonferenz vor dem gestrigen Spitzenspiel in der Allianz Arena als Überperformance bezeichnet und dieses Kompliment vor allem an den VfB-Trainer Sebastian Hoeneß gerichtet. Weniger gefallen hatte ihm dann in derselben Medienrunde, dass ihn der BILD-Reporter Heiko Niederer gefragt hatte, ob er sich den Neffen von Uli Hoeneß als Bayerntrainer vorstellen kann. Der aktuelle FCB-Chefcoach gab gestern als Taktikfuchs genau die richtige Antwort, sehr zur Freude aller Bayernfans.

Als die Aufstellungen vor dem Topspiel in der Münchner Arena eine gute Stunde vor Spielbeginn bekannt wurden, sank die Laune bei nicht wenigen Bayernfans. Das Stammmittelfeld des Rekordmeisters mit Joshua Kimmich und Leon Goretzka fiel komplett aus – „grippaler Infekt„!

Die beiden wurden von dem in dieser Saison bislang dauerverletzten Raphael Guerreiro und dem 19-jährigen Aleksandar Pavlovic ersetzt. Technisch sicherlich kein Downgrade – aber konnten die beiden wirklich auch körperlich dem überperformenden VfB-Mittelfeld etwas entgegen setzen?

Sie konnten – und wie. Und sie wurden dabei von Tuchel mit der perfekten Taktik ausgestattet. Einer für das Spielverständnis des FC Bayern sehr überraschenden: Der Rekordmeister überließ dem spielstarken Gegner im eigenen Stadion den Ballbesitz – in Halbzeit 1 hatte der FCB nicht einmal 30 Prozent. Aber gefährlich wurde es ausschließlich vor dem Tor der Schwaben. Überfallartige FCB-Angriffe – Leroy Sané und Jamal Musiala spielten dabei ihre Gegenspieler reihenweise schwindlig bzw. überrannten diese schlichtweg – stellten Stuttgart gestern Abend vor unlösbare Probleme.

Die perfekte Umschaltzentrale dabei: Pavlovic und Guerreiro. Technisch brillant wie schnörkellos und konsequent. Ist diese Taktik aus der Not geboren, weil das Ballbesitzmonster Kimmich kurzfristig ausgefallen ist? Für die taktische Meisterleitung von Tuchel spielt es dabei keine Rolle, ob er sich dieses Konzept langfristig zurecht gelegt hat oder erst kurz vor dem Spiel auf die Ausfälle reagiert hat. Er hat seinen VfB-Trainerkollegen regelrecht vorgeführt.

Dabei hatten nicht wenige FCB-Fans in den Anfangsminuten des gestrigen Spiels nicht selten – trotz der niedrigen Temperaturen in der Arena – Angstschweiß auf der Stirn, denn auf den defensiven Außenbahnen befanden sich die Spieler des Rekordmeisters regelmäßig in Unterzahl. Tuchels Plan dahinter war nach einer Viertelstunde klar: Das Zentrum wurde extrem verdichtet, und so war 90 Minuten kein Durchkommen für die Stuttgarter, die beim BL-Spiel vor einer Woche in der 1. Halbzeit den Spitzenreiter Leverkusen noch ein ums andere Mal überrumpelt hatten.

Am Ende hatte der VfB zwar 63 Prozent Ballbesitz, war aber mit dem 0:3 noch mehr als gut bedient. Eine Lehrstunde für Sebastian Hoeneß – und gewisse Boulevardreporter sollten nun auch wissen, warum der aktuelle FCB-Trainer Thomas Tuchel heißt.

Ohne Polemik: Das Spiel sollte auch eine Lehrstunde für Joshua Kimmich sein, welcher mit seiner aktuellen Spielauffassung das FCB-Spiel verlangsamt, hemmt. Harry Kane sprach gestern vom bisher besten Saisonspiel der Bayern – dafür wird er von niemanden Widerspruch erhalten. Das beste davor: Das 4:0 beim BVB vor sechs Wochen – übrigens auch ohne den damals gesperrten Kimmich! Taktikfuchs Tuchel sollte und wird das registrieren. Der Joshua hoffentlich auch.

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

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