Angelo Stiller ist derzeit im zentralen Mittelfeld des VfB Stuttgart eine positive Überraschung und auch einer der Erfolgsgaranten für die aktuell groß aufspielenden Schwaben. Der 22-jährige gebürtige Münchner hatte elf Jahre lang für seinen Herzensverein, den FC Bayern gespielt, bevor er 2021 – scheinbar ohne Perspektiven bei den Profis – Richtung Hoffenheim wechselte. FCB-Campus-Leiter Jochen Sauer findet in diesem Zusammenhang nun kritische Worte mit Blick auf den Umgang mit der Personalie Stiller, muss sich dabei aber vor allem auch an die eigene Nase fassen, ist er doch bereits seit 2017 in leitender Funktion im FCB-Nachwuchsleistungszentrum.
Aktuell sucht der deutsche Rekordmeister auf dem Transfermarkt händeringend nach einem zentralen defensiven Mittelfeldspieler. Hätte man Stiller in der Vergangenheit anders bewertet, wäre möglicherweise die viel diskutierte Holding Six nun schon im Kader des FC Bayern. Denn Angelo Stiller hat sich beim VfB Stuttgart auf eben jener Position nun etabliert und gehört zum absoluten Stammpersonal von VfB-Coach Sebastian Hoeneß. Der hatte mit Stiller beim FCB bereits in der U19 und bei den Amateuren (U21 bzw. U23) erfolgreich zusammen gearbeitet, unter anderem als man in der Saison 2019/20 sensationell Drittliga-Meister geworden war.
FCB-Nachwuchs-Chef Jochen Sauer bei t-online zur Jugendarbeit des deutschen Rekordmeisters: “Man kann nicht planen, dass jedes Jahr hier ein außergewöhnliches Kaliber rauskommt. Man muss allerdings den Anspruch haben, immer wieder Spieler zu unserer Profimannschaft zu bringen. Aber das geht nur über einen gewissen Zeitraum und mit Geduld. Du kannst vielleicht sagen, innerhalb von fünf Jahren müssen wir versuchen, mehrere Spieler durchzubekommen”.
Dabei kam der 51-Jährige auch auf die Personalie Angelo Stiller zu sprechen und erklärte: “Und natürlich müssen wir ab und zu auch mal einen Spieler verkaufen. So etwas wie mit Angelo Stiller sollte uns aber nicht mehr passieren. Angelo hat alle Jugendmannschaften am Campus bis zur 3. Liga durchlaufen und ist dann ohne Entschädigung nach Hoffenheim gegangen, von dort für fünf oder sechs Millionen Euro weiter nach Stuttgart, wo er sich weiter sehr, sehr gut entwickelt.”
Stiller war in den Campus-Teams einer der auffälligsten Spieler, unter anderem der Kapitän der U17, die 2018 erst im Finale Borussia Dortmund unterlag. Sein Spielstil erinnerte schon als Jugendlicher an die FCB-Legende Bastian Schweinsteiger, mit all dessen strategischen und kämpferischen Vorzügen, aber auch mit dem Manko, ein größeres Geschwindigkeitsdefizit zu haben. Bei seinem Abgang dominierte im FCB-Mittelfeld das der deutschen Nationalmannschaft mit Joshua Kimmich (bevor die Debatte um diesen selbst los ging) und Leon Goretzka, noch mit den frischen Meriten des zweiten Triples der Vereinsgeschichte.

Dass Angelo Stiller seinen absoluten Herzensclub 2021 als 20-Jähriger nicht zunächst als Leihspieler verließ und auch ohne dass sich der FC Bayern eine Rückkaufoption sicherte, muss aus heutiger Sicht als Fehler betrachtet werden. Damals löste vor allem die Tatsache, dass er völlig ohne Ablösesumme gehen konnte, Kopfschütteln aus. Grund dafür war auch, dass er 2020 eine Vertragsverlängerung verweigert hatte.
Sauer fasst nun diese unglückliche Entwicklung mit “Da hätten wir die Früchte unserer Ausbildungsarbeit besser ernten müssen” zusammen. Manchmal läuft es aber auch wirklich schief – nicht viele der damaligen Campusgänger hatten Stiller aufgrund seiner bereits erläuterten Defizite diese großartige Entwicklung zugetraut. Geht diese noch weiter, könnte er tatsächlich wieder in seiner Heimatstadt landen – nur wird es dann eben teu(r)er.
Titelbild: Stiller und Malik Tillman in der FCB-U17. Beim US-amerikanischen Nationalspieler hat es der FCB besser gemacht:
Malik spielte übrigens beim gestrigen CL-Gruppenfinale zwischen PSV und Arsenal (1:1) fast durch. Er qualifizierte sich mit seinem Team als Gruppenzweiter für das Achtelfinale und kann dort auf seine Bayern treffen.

Ein Kommentar zu “Wäre Ex-FCB-Jugendspieler Angelo Stiller jetzt die geeignete „Holding Six“?”