Die jüngste Aufbruchsstimmung der deutschen Fußballnation um die Nationalmannschaft nach dem Bundestrainerwechsel von Hansi Flick auf Julian Nagelsmann und ersten vielversprechenden Ergebnissen ist nach den Länderspielpleiten gegen die Türkei (2:3) und Österreich (0:2) einer großen kollektiven Frustration gewichen. FCB-Nationalspieler Leon Goretzka blickt vor der langen Länderspielpause der Heim-EM 2024 trotzdem optimistisch entgegen und bemüht einen historischen Vergleich.
Der 28-jährige ist aktuell frustriert über die fehlende Euphorie in Deutschland. „Ich habe richtig Bock auf diese EM in Deutschland. Und deswegen ärgere ich mich sehr, dass wir die Anfangseuphorie der letzten Wochen nicht mit in den Winter genommen haben„, so Goretzka im Interview mit der Abendzeitung München.
Die Endrunde im kommenden Sommer soll „neben dem Gewinn der Champions League und dem Sextuple hoffentlich das Highlight meiner und unserer Karriere“ werden, „aber bis dahin ist es noch ein langer Weg. Der Top-Favorit auf den Titel ist sicherlich Frankreich.“
Goretzkas große Hoffnung ist, dass das deutsche Team wie bei der Heim-WM 2006 mit den Fans im Rücken den Favoriten Paroli bieten kann: „Unser Ziel ist und bleibt der größtmögliche Erfolg. Gerade mit den eigenen Fans im Rücken kann bei der EM der Knoten platzen. 2006 hat, wenige Monate vor dem Turnier, keiner mit einem Sommermärchen gerechnet. Im Fußball wiederholen sich Geschichten, sagt man.“
Tatsächlich lag die deutsche Fußballnationalmannschaft bis wenige Monate vor dem Sommermärchen 2006 auch am Boden. Im März verlor man damals ein Vorbereitungsmatch gegen Italien sang- und klanglos mit 1:4. Die deutsche Fußballmannschaft ist historisch gesehen eine Turniermannschaft, für welche eine gute Vorbereitung essentiell ist. Diese war weder 2018 vor der WM in Russland möglich (Özil-Gündogan-Erdogan-Affäre), noch Pandemie-bedingt vor der EM 2021 und schon gar nicht vor der Winter-WM mitten in der Saison in Katar. Zum ersten Mal seit der EM 2016 in Frankreich (es ging immerhin bis ins Halbfinale) hat Nagelsmann mit seiner Truppe eine richtige Vorbereitung auf ein großes Turnier.
Sollten sich die deutschen Fußballfans und auch die Presse zusätzlich darauf besinnen, dass ein gemeinschaftlicher Erfolg in einer positiver Grundstimmung wesentlich wahrscheinlicher ist als wenn man sein eigenes Team in Grund und Boden kritisiert, könnte sich dies auch positiv auf die deutschen Kicker auswirken. Ob diese dann tatsächlich den Titel holen können, bleibt abzuwarten. Aber die Qualität des Teams reicht absolut aus, um zum Beispiel die Türkei oder Österreich souverän aus dem Turnier zu kegeln.
Möge Leon Goretzkas Wunsch in Erfüllung gehen!

Gefällt mir die Einstellung – und ja, 2006 ist ein gutes Beispiel, wie es laufen soll.
Die aktuelle Mannschaft hat da sogar noch mehr Talent.