Kommentar von Petersgradmesser
Mit kleinen Unterbrechungen dominiert der FC Bayern seit einem halben Jahrhundert die Bundesliga – manchmal sogar nach Belieben – und ist auch fast in jedem Jahr das internationale Steckenpferd des deutschen Fußballs. Viele Sportreporter und Journalisten verdanken ihr berufliches Dasein nicht zuletzt dem deutschen Rekordmeister, ohne den die Aufmerksamkeit hierzulande für den Fußball, aber auch international für die deutsche Bundesliga wesentlich geringer wäre. Anstelle dies angemessen zu honorieren, verzetteln sich nicht wenige Medienangestellte in Respektlosigkeiten gegenüber dem Verein, seinen Spielern, Funktionären, aber auch den FCB-Fans. Gestern leistete sich der ehemalige Sky-Reporter Sebastian Hellmann bei Amazon Prime Video anlässlich des CL-Spiels der Bayern bei Galatasaray Istanbul so einen Aussetzer.
Der FC Bayern erkämpfte sich gestern Abend einen 3:1-Erfolg im Hexenkessel Rams Park in Istanbul. Die Spieler zeigten sich dabei – lange Zeit zu sehr – von der Kulisse beeindruckt. TV-Moderater Sebastian Hellmann gefiel das offensichtlich und er konnte es sich nicht verkneifen, gegen die Bayernfans und die Atmosphäre in der Allianz Arena zu sticheln.
Als Mauro Icardi in der 30. Minute per Elfmeter den 1:1-Ausgleich für Galatasaray erzielte, explodierte der Rams Park in Istanbul. Laut der BILD wurden dabei 132 Dezibel gemessen. Zum Vergleich: Beim Start eines Düsenjets sind es knapp 140 Dezibel.
Bayern-Star Kingsley Coman schwärmte nach dem Spiel von der extrem lauten Kulisse: “Ich liebe diese Stimmung. Man hat viel Adrenalin. Es war Wahnsinn.” Auch Jamal Musiala wird das CL-Duell gegen Galatasaray nicht so schnell vergessen: “Wenn die gepfiffen haben oder wenn sie eine Ecke bekommen haben, war das ganze Stadion extrem laut. Es war eine coole Atmosphäre, das werde ich für immer in Erinnerung behalten”, so der 20-Jährige im Gespräch mit Amazon Prime Video.
Während die FCB-Spieler die Atmosphäre lobten, ließ sich Hellmann, der für Amazon Prime Video gestern Abend im Rams Park im Einsatz war, nach den Interviews zu einer Stichelei gegen die Stimmung im Stadion des deutschen Rekordmeisters hinreißen: “Wenn man bei den Heimspielen die Allianz Arena gewohnt ist, ist das natürlich auch ein großer Sprung”.
Wahrscheinlich kam sich der 56-Jährige dabei auch noch besonders witzig vor. Dabei konnte er sich auch sicher sein, dass er mit diesem mittlerweile etwas langweiligen Vorurteil auch viel Zustimmung und Beifall erhalten würde. Harry Kane lobte übrigens auch den Support der Bayernfans im Stadion, die nach der späten FCB-Führung komplett das Kommando im Stadion übernommen hatten. Mit so einem Statement hätte auch ein Herr Hellmann einmal überraschen und positiv in Erscheinung treten können. Chance abermals verpasst.
Es ist immer einfach, stereotyp ein Vorteil – wie gestern bei Hellmann gesehen – zu bedienen. Ein guter Reporter könnte aber auch einmal über den Tellerrand hinaus schauen und vollumfänglich informiert sein. Denn international gilt die Münchner Arena als stimmungsvolles heißes Pflaster. Viele Trainer der FCB-CL-Gegner haben dies ausdrücklich betont. Auch Harry Kane ist von der Atmosphäre in der Allianz Arena beeindruckt, und eigentlich sollten sich Engländer auskennen, was Fußballstimmung betrifft.
Persönlich stehe ich sowieso nicht auf eine Fußballstimmung, wie sie gestern in Istanbul herrschte. Extrem fanatisch, aggressiv, teilweise feindselig. Gellende Pfeifkonzerte waren bei mir schon immer negativ belegt. Natürlich könnte in München die Stimmung ab und an frenetischer sein – das betrifft aber hauptsächlich klar dominierte BL-Spiele. Auch die Münchner Arena kann sich in einen Hexenkessel verwandeln: Die FCB-Fans – hauptsächlich in beiden(!) Kurven – singen, schreien, klatschen dabei aber mehr als dass sie pfeifen – gut so!
Herr Hellmann ist übrigens Fan des Drittligisten Arminia Bielefeld …
Titelbild: SK-Choreo vor dem CL-AF 2023 gegen PSG. Es herrschte eine überragende Stimmung im Stadion.

Sehr guter Kommentar!
„Wer ist eigentlich Herr Hellmann?“
Ein „Möchtegern-Reporter“…..