100-Millionen-Poker um Kane: Die letzte Runde hat begonnen

Kommentar von Petersgradmesser

Uli Hoeneß und Kalle Rummenigge werden sich aktuell mit Grausen an den langwierigen Poker um Roy Makaay vor fast exakt 20 Jahren zurückerinnern. Die Verhandlungen mit Deportivo La Coruña waren damals ähnlich zäh wie derzeit mit Tottenhams Daniel Levy im Kane-Poker. Die Voraussetzungen waren ähnlich wie aktuell, die Bayern blieben 2003 beharrlich: Auch damals waren gewiss nicht alle Fans zufrieden, der extrem populäre Giovane Élber, frisch gekürter BL-Torschützenkönig, verließ deswegen den Verein Richtung Lyon. Der 28 Jahre alte(!) Makaay kam als amtierender Golden Shoe Gewinner für die damalige BL-Rekord-Transfersumme von 18,75 Millionen Euro nach München – und spielt heute in der FCB Legenden Mannschaft. Wird auch der Kane-Kaugummi-Transfer-Poker letztendlich eine Erfolgsstory für ihn und den FC Bayern?

Wenn man Kanes Ultimatum ernst nimmt – spielt er am 13. August am 1. Spieltag der Premier League für die Spurs in Brentford, bleibt er für die restliche Saison in Tottenham – und eigentlich gibt es daran keinen Zweifel, dann sind die Verantwortlichen beider Vereine nun im Zugzwang. Kostet es Levy den Job, wenn er den Anweisungen seines Bosses aus der Finanzabteilung Joe Lewis nicht Folge leistet und Kane noch in diesem Sommer für viel Geld transferiert? 2024 kann der englische Nationalmannschaftskapitän die Spurs ablösefrei verlassen. Haben die Kane-oder-nix-Bayern einen Plan B und können sie ein Jahr auf ihren absoluten Wunschstürmer warten?

Für die Bayern ist im Poker extrem wichtig, dass sie Kane vertrauen (können), dass dieser nur zum deutschen Rekordmeister wechseln möchte, bei Tottenham tatsächlich nicht mehr verlängern wird und im Notfall auch 2024 nach München wechseln will. Wenn dies zu 100% der Fall ist, haben sie die besseren Karten – und müssen nicht die Höchstforderung von Levy von 100 Millionen Pfund (117 Millionen Euro) zahlen.

Dabei ist es übrigens auch nicht unbedingt hilfreich, wenn Medien berichten, dass der FCB zur Not auch bereit ist, tatsächlich die 100-Millionen-Pfund-Forderung zu erfüllen. Es ist nun ein Nervenspiel für alle. Die Trainer beider Vereine hätten gerne baldmöglichst Planungssicherheit, die Bosse pokern. Wer bewegt sich bis zum Brentford-Spiel als Erster, wer verliert als Erster im Poker die Nerven? Derjenige muss entweder Einbußen in Kauf nehmen (Levy) oder mehr zahlen (FCB).

Nervig. Aber spannend.


Update 5. August 2023

Die Bayern haben sich gestern (oder war es sogar schon etwas früher?) bewegt und offensichtlich ein (finales?) Angebot unterbreitet, welches knapp über ihrer eigenen Schmerzgrenze (100 Millionen Euro), aber dennoch unter der Tottenham-Forderung (umgerechnet ca. 117 Millionen Euro) liegen soll: Gut 100 Millionen Euro inklusive Bonuszahlungen.

Widersprüchliche Meldungen bzw. Gerüchte gab es, ob das Angebot mit einem Ultimatum (Mitternacht zwischen dem gestrigen Freitag und dem heutigen Samstag) verbunden war. Andernfalls würde sich der deutsche Rekordmeister nach einer anderen (Zwischen-)Lösung umschauen und Kane erst 2024 – ablösefrei – verpflichten.

Wenn es damit verbunden war, u.a. Florian Plettenberg von Sky bestreitet das, dann hat der sture Mr. Levy es wohl verstreichen lassen. Die Formulierung bis „Freitag Mitternacht“ wurde von einigen Quellen übrigens aber auch so gebracht, dass man es als Freitag nächster Woche verstehen könnte. Dem widersprecht wiederum Plettenberg, der davon berichtet, dass Bayern an diesem Wochenende eine Reaktion aus Nord-London erwartet.

Nicht die Nerven verlieren: Wie auch immer der Poker ausgeht, zumindest für diesen Sommer sollte er bis Ende der nächsten Woche beendet worden sein.

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

4 Kommentare zu „100-Millionen-Poker um Kane: Die letzte Runde hat begonnen

  1. Ich würde es drauf ankommen lassen, man hat doch Mathy Tel in der Hinterhand als Mittelstürmer. Wenn der Geldgeile Levy nicht einlenken will, zusammenpacken und heimfliegen, nächstes Jahr Harry Kane kostenlos holen, Handgeld bezahlen und Herrn Levy’s dummes Gesicht anschauen.

    1. @ Anton: Der Mathys ist zwar ein super Talent, ein toller Junge. Aber das wäre viel zu viel Verantwortung auf den Schultern eines 18-Jährigen. Aber er wird ganz sicher seinen Weg (hoffentlich beim FCB) gehen.

    2. Besser und schneller könnte man den Tel nicht verheizen:
      So ist das hier wäre die Quadratur eines Kreises: einen Teenager (sportlich und mental) aufzubauen, aber gleichzeitig mit dem Erwartungsdruck, dass mindestens das Halbfinale der Champions League erreicht (und natürlich auch gewonnen) wird und eigentlich gleichzeitig auch noch der DFB-Pokal gewonnen werden muss.

  2. Klasse Beitrag. Super Vergleich mit Makaay.

    Die Kane-FCB-Saga wird hier mit Abstand am besten von allen Seiten mit FCB-Bezug aufgearbeitet.

    Respekt und höchstes Lob.

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