Medien: Goretzka immer noch FCB-Abschiedskandidat

Kommentar von Petersgradmesser

Sportjournalismus 2023 – speziell, wenn es den deutschen Fußballrekordmeister FC Bayern betrifft: Immer wieder werden einzelne Spieler herausgepflückt, welche über einen längeren Zeitraum in Grund und Boden geschrieben werden: Aktuell betrifft das den 53-fachen deutschen Nationalspieler Leon Goretzka. Wohl auch, weil er für nicht wenige deutsche Fans seit der Binden-Affaire der Nationalmannschaft bei der WM 2022 in Katar, bei welcher er als ein Drahtzieher galt, auch ein willkommenes Opfer ist.

Ziemlich grund- und haltlos behaupten aktuell einige Medien, dass hinter der sportlichen Zukunft von Leon Goretzka beim FC Bayern ein großes Fragezeichen stünde. Der 28-Jährige soll in den Planungen von Chefcoach Thomas Tuchel keine wichtige Rolle mehr spielen, weil er momentan ganz offensichtlich seinen Stammplatz beim FCB – sogar endgültig(!) – verloren hätte. Was für eine Dramatisierung der derzeitigen Situation, die FCB-Profis befinden sich gerade einmal zwei Wochen in der Saisonvorbereitung!

Es wird darauf hingewiesen, dass der 28-Jährige in den bisherigen drei Testspielen jeweils in Halbzeit 1 auf der Bank saß, wenn die vermeintliche A-Mannschaft kickte, um dann mit Team B die zweite Hälfte zu bestreiten. Neuzugang Konrad Laimer erhielt jeweils den Vorzug im zentralen Mittelfeld an der Seite von Joshua Kimmich.

Dazu Tuchel auf Goretzkas Rolle angesprochen: „Wir haben nicht viele Spiele, um uns vorzubereiten. Wir wollen Abläufe entwickeln und einen Teamgeist entwickeln. Ich möchte so schnell wie möglich eine Startelf finden„. Solch eine Aussage reicht mittlerweile schon für die Behauptung, dass der gebürtige Bochumer seinen Stammplatz im FCB-Mittelfeld endgültig verloren hätte…

Dabei sagt der FCB-Trainer sogar noch wortwörtlich, dass „noch nichts entschieden“ ist. “Die Spieler, die hinten dran sind, müssen dafür sorgen, dass sie wieder reinrutschen”. Außerdem berichtet die SportBild, dass Tuchel nach der Asien-Tour Einzelgespräche mit den Spielern führen wird, damit diese ihre persönliche Situation einschätzen können. Somit könne jeder FCB-Profi bis zum Ende der Wechselperiode diese noch überdenken.

Goretzka selbst hat vor kurzem ausdrücklich betont, dass er den “Verein und Stadt liebt” und sich keinerlei Gedanken über einen vorzeitigen Abschied machen würde. Auch wenn es manche Medien nun anders sehen bzw. interpretieren wollen: Daran wird sich auch bis zum Ende der Wechselperiode nichts ändern. Leon ist seit 2018 beim FC Bayern und hat seitdem – meist als Stammspieler – alle Titel mit dem Verein gewonnen, die es zu gewinnen gibt. Warum sollte er nach einer schwächeren Rundrunde und einer Vorbereitung, in der ein Neuzugang vor ihm positioniert wird, was völlig normal in diesem Geschäft ist, so schnell die Flinte ins Korn werfen?

Erinnern wir FCB-Fans uns nur ein Jahr zurück: Nach der Vorbereitung und dem Saisonstart 2022 war ein gewisser Sadio Mané der gefeierte Held aller, Everybody´s Darling. Und ganz sachlich und nüchtern betrachtet ließ Laimer beim 0:1-Gegentreffer durch ManCity seinen Gegenspieler davon ziehen und zeigte gegen Kawasaki ein extrem fehlerhaftes Aufbauspiel. Goretzkas Team B erzielte zudem in beiden Matches das bessere Halbzeitresultat. Das soll jetzt bitte nicht als ein Plädoyer für Leon gegenüber Konrad gewertet werden, es sollte nur darauf hinweisen, die Kirche im Dorf zu lassen. Im Fußball kann sich durch eine Menge Umstände sehr viel sehr schnell ändern.


Update 31.Juli 2023

Es wird leider immer schlimmer und wilder.

Ein gewisser Christoph Klaucke von der Münchner tz titelt heute: „Stürzt Goretzka ab? Sowohl Tuchel als auch Flick senden deutliche Signale

Zur Situation beim FC Bayern bringt er keine neuen Fakten, dann wird aber noch nachgelegt, indem er den Bundestrainer Flick im kicker-Interview zitiert und dann interpretiert. Der Hansi will laut Interview in Richtung EM 2024 in Deutschland auf ein Gerüst „mit fünf, sechs, sieben oder acht Positionen, auf denen wir die Nummer eins benennen“, setzen. Es klingt dann fast schon triumphierend, als Klaucke – ohne dieses Mal Flick zu zitieren – in seinen Ausführungen fortfährt mit „Goretzka zählt offenbar nicht dazu!“

Dann lässt der Boulevardreporter wieder den Bundestrainer im O-Ton zu Wort kommen: „Toni Rüdiger ist hinten klar, er hat Erfahrung, ist schnell, zweikampfstark, kann eine Führungsrolle einnehmen. Dazu sehe ich Joshua Kimmich, Emre Can, Ilkay Gündogan“. Dieses Statement wird dann von Klaucke mit „Auffällig: Während der Ex-Bayern-Coach Goretzka mit keiner Silbe erwähnte, spielen mit Kimmich, Can und Gündogan drei andere Mittelfeldspieler eine wichtige Rolle in Flicks Überlegungen“ – kommentiert.

Dazu FC Bayern Total: Goretzkas Ex-Trainer beim FCB (Nov. 2019 – Juni 2021) hat aus seiner Sicht vier wichtige Spieler aufgezählt, drei davon dürften von ihrem Standing ziemlich klar sein, auch wenn sie in ihren Vereinen zuletzt wesentlich bessere Leistungen als in Deutschlands Eliteauswahl gezeigt haben. Dass er den Dortmunder Can erwähnt, ist allerdings etwas überraschend bis ernüchternd. Sollte das große Ziel nach wie vor der Titel im eigenen Land sein, ist der 29-jährige technisch limitierte frühere FCB-Jugendspieler nicht unbedingt eine Traumbesetzung. Und was Goretzka betrifft: Sollte er am Dortmunder leistungsmäßig in der kommenden Saison tatsächlich nicht vorbei kommen, hat er auch nicht wirklich etwas in der deutschen Nationalmannschaft zu suchen. Aber FC Bayern Total ist sicher, dass Leon in der Spielzeit 2023/24 sowohl beim FCB als auch in der N11 seinen Weg gehen wird.

Warum ein Spieler, der zu Saisonbeginn keinen Stammplatz inne hat, allerdings gleich „abstürzen“ soll, ist nicht nur eine maßlose Übertreibung, sondern bleibt auch Klauckes (Boulevard-Journalismus-)Geheimnis …

Sadio Mané ist weg – startet jetzt die mediale Jagd auf Leon Goretzka? Muss so etwas wirklich sein, um Klicks zu generieren?


Update 3. August 2023

Tatsächlich erscheint es so, dass Goretzka nach dem Abgang von Sadio Mané das nächste Medienopfer ist.

Er persönlich weist nach wie vor darauf hin, dass er den FCB unter keinen Umständen verlassen möchte. Auch Tuchel ist bei ihm keineswegs so deutlich wie bei Mané. Aber die Medien suchen bereits Abnehmer für den deutschen Nationalspieler und Mitglied des FCB-Spielerrats aus. Manchester United ist der Favorit. Und der Verein soll ihn bei 40-45 Millionen Ablösesumme ziehen lassen.

Beim gestrigen 4:3-Sieg über Liverpool war Leon übrigens erneut um keinen Deut schlechter als Konny Laimer. Am Montag wird vor dem Pflichtspielauftakt (Supercup gegen RB am 12. August in der heimischen Arena) noch einmal gegen AS Monaco in U´haching getestet. Vielleicht lässt Tuchel den Leon mal in Halbzeit 1 ran, dann hören diese unsäglichen medialen Spekulationen vielleicht einmal auf … oder selbst dann nicht.

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

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