Oliver Kahn beim FCB vor dem Rauswurf – drehen jetzt alle durch?

Kommentar von Petersgradmesser

In der Fußball(medien)welt, speziell wenn es um den FC Bayern geht, erlebt man nicht erst seit Kurzem verrückte Sachen. Ein sog. Transferexperte aus Italien(!) verkündet quasi aus dem Nichts, dass der deutsche Rekordmeister seinen Longzeitplan-Trainer entlassen würde und weniger als einen Tag später ist dieser Aprilscherz Realität. Nun soll es einem der beiden Hauptverursacher der – überstürzten – Entlassung von Julian Nagelsmann, dem FCB-Vorstandsboss Oliver Kahn, selbst an den Kragen gehen, behauptet ein Norweger …

Der frühere norwegische Kicker und heutige Sportjournalist Jan Aage Fjörtoft setzte gestern ziemlich überraschend das Gerücht in die Welt, dass man beim FC Bayern – gemeint kann dann eigentlich nur der Aufsichtsrat sein – ernsthafte Überlegungen anstrebe, den früheren Fußball-Titanen selbst an die Luft zu setzen. Als (Interims-)Nachfolger würden der aktuelle Präsident Herbert Hainer und der Ehren-Präsident Uli Hoeneß zur Disposition stehen. Der Jan Aage hat es zwar nicht direkt so ausgedrückt, aber durch die Blume verkündet, dass ihm das ein oder mehrere Maulwürfe an der Säbener Straße gesteckt hätten …

Jaja, die Gerüchte und Maulwürfe an der Säbener. Mir selbst kam vor einiger Zeit zu Ohren, dass sich die dortigen Angestellten – nicht nur hinter vorgehaltener Hand – über den neuen Führungsstil von Kahn & Co. beschweren würden, das Familiäre würde verloren gehen. Aus eigenen Erfahrungen kann ich nur sagen, dass ein bisschen frischer Wind der Säbener (und anderen FCB-Einrichtungen) sicherlich nicht schaden kann, die alten Seilschaften von Uli H. und Kalle R. haben es sich dort sehr hübsch und bequem eingerichtet. Dass genau diese Angestellten mit Kahn wenig einverstanden sind, sich sogar seine Ablösung und eine Rückkehr ihrer ehemaligen Protegés wünschen, ist nachvollziehbar.

Ein Norweger gibt eine Steilvorlage, BILD, SKY & Co. ziehen nach und berichten, dass „FCB-intern“ die Kritik an Kahn wächst. An Hasan Salihamidzic übrigens nicht, der steht nicht zur Disposition, weil der wiederum von Uli H. unterstützt wird. Der Ehrenpräsident hat tatsächlich noch alle Vereinsfäden in der Hand? In dieser krassen Weise nicht vorstellbar. Eher schon, dass er als graue Eminenz im Hintergrund an einigen Meinungsbildungsprozessen mitarbeitet.

Allerdings widerspricht Fjörtoft & Co. nun einer, der es tatsächlich wissen muss, weil er selbst als Kahn-Nachfolger ins Gespräch gebracht wird: Der aktuelle FCB-Präsident Herbert Hainer. „Nein, diese Gerüchte stimmen nicht„, betont Hainer heute gegenüber der dpa auf die Nachfrage, ob sich der FCB-Aufsichtsrat mit diesem Thema beschäftigen würde. Würde dies nicht der Wahrheit entsprechen, hätte der 68-Jährige selbst ein gewaltiges Glaubwürdigkeitsproblem, speziell nach seinen Äußerungen kurz vor der Nagelsmann-Entlassung.

Kahn selbst weiß, was in München los ist, wenn der Erfolg ausbleibt. „Ich habe 14 Jahre hier gespielt. Ich weiß, wie das hier ist, wenn Ziele nicht erreicht werden. Dann kommt einfach Kritik hoch.

Jede Menge Baustellen an der Säbener Straße, ein Genuss für den Boulevardjournalismus, welcher extrem am Ausbau dieser mitarbeitet. In einem persönlichen Telefonat mit dem damaligen Mediendirektor Markus Hörwick vor fast acht Jahren habe ich mitbekommen, dass man dies beim FCB jedoch nicht allzu ernst nimmt. „Sie wissen ja, dass der FC Bayern polarisiert.“ Es wird immer schlimmer, aber ich habe schon damals an der anderen Seite der Telefonleitung nur kräftig mit dem Kopf geschüttelt.

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

6 Kommentare zu „Oliver Kahn beim FCB vor dem Rauswurf – drehen jetzt alle durch?

  1. Inzwischen bestätigen mehrere Medien, dass es im Verein schon länger Diskussionen über Kahn gibt (Sky, BILD, AZ, die „großen“ halten sich noch bedeckt). Was Herr Hainer dazu von sich gibt ist, wie so oft, Verbalspam, der genau so gut richtig sein kann wie falsch. Mir geht Hainer seit langem beim einen Ohr rein und beim anderen wieder raus. An sich lese ich alles über den FC Bayern. Hainer klicke ich weg, wie lästige Werbung.

    Mich hat Kahn vom ersten Tag an als Vorstandsvorsitzender enttäuscht. Seine öffentlichen Äußerungen haben nichts mehr von dem, was ihn als Spieler auszeichnete. Wer bitte hat bei ihm den Eindruck, dass er mit der Mannschaft mitfiebert? Mir kommt es so vor, dass er, weil er hin und wieder etwas sagen muss, dann biedere Standardsprüche produziert. Tatsächlich scheint ihm der Verein nicht wichtig zu sein. Seine Auftritte bei Frau Müller-Hohenstein hatten mehr Feuer als die letzten zwei Jahre als Bayern-Boss.

    Er schafft es auch nicht, wie Beckenbauer immer unangreifbar über allem drüberzustehen. Sondern er ist der, der was leisten müsste und der nichts mehr zustandebringt. Traurig.

    Die Saison ist eine einzige Enttäuschung. Die vorzeitige Trennung von Nagelsmann beschädigt alle, die am Anfang für ihn Feuer und Flamme waren. Kahn ist in diesem Gesamtkonstrukt der Schwächste, weil offenbar keiner mehr zu ihm hält (sein Förderer Hoeness soll sich abgewendet haben, Rummenigge hatte die Zusammenarbeit mit ihm vorzeitig beendet und ist ein halbes Jahr früher als geplant aus dem Vorstand ausgeschieden). Man wird ihn fallen lassen, um die eigene Haut zu retten.

    Wenn ich den großen Bayernspieler Olli Kahn heute anschauen muss, denke ich an „Burnout“ und „Müdigkeit“. Dauzu passt, dass er sich hinter Unternehmensberatern verschanzt, die irgendwas für ihn machen, er aber nie etwas eigenes präsentiert (man vergleiche das mal mit Brazzo, dem auch nicht alles gelingt, der aber wenigstens als Person zu 100% hinter dem steht, was er jetzt tut). Kahn polarisiert ja noch nicht mal mehr, sondern erregt eher Mitleid. Er sollte von sich aus gehen, um wenigstens einen respektablen Abgang hinzubekommen.

    Das eigentliche Problem ist, wie so oft: Wer soll’s jetzt machen?

    1. Jetzt knallst du völlig durch!

      „Kahn polarisiert ja noch nicht mal mehr, sondern erregt eher Mitleid.“ Wer hat dir denn so einen Schmarrn eingetrichtert?

      Vieles scheint eher deiner Fantasie als irgendwelchen seriösen Meldungen zu entsprechen.

      Und dass du wirklich in deiner eigenen Welt lebst und nicht wirklich Ahnung vom FCB, Kahn etc hast, beweist dieser Unsinn: „Wer bitte hat bei ihm den Eindruck, dass er mit der Mannschaft mitfiebert?“
      Bekommst du gar nichts mit? Kahns verzweifelter emotionaler Ausbruch in Dortmund nach dem 2:2 zum Beispiel!

    2. Nur so viel: Dass „mehrere Medien“ irgendetwas „bestätigen“, ach wirklich „bestätigen“ oder doch eher berichten bzw. vermuten(?), bedeutet gar nichts: einer schreibt vom anderen ab und buhlt darum, es noch reißerischer zu verpacken.
      Kahn hat / macht sich beim FCB nicht nur Freunde: Er räumt auch mit den Altlasten (viel zu viel Geklüngel aus der UH und KHR-Ära) auf, finde ich persönlich gut.
      Außerdem: wer Kahn auf der JHV 2021 gesehen hatte und dann ein Jahr später auf der von 2022, der hat einen riesigen Sprung bemerken können: wesentlich lockerer, wesentlich souveräner. Das ist echt alles an dir vorbei gegangen?
      Er (und Brazzo) hat in dieser Saison einen einzigen riesigen Fehler gemacht: Die unnötige Entlassung von Nagelsmann – und genau das hast du gefeiert?!

  2. Nun, es gibt ja die so genannten Hintergrundgespräche, in denen Journalisten das gesagt wird, was sie wissen sollten, worüber sie aber nicht berichten dürfen. Wenn plötzlich so Blätter wie die AZ, die jetzt nicht gerade durch Recherchejournalismus auffallen, die Kahn- Gerüchte bestätigen, hat man es ihnen wahrscheinlich einfach nur im Vertrauen zuvor schon längst gesagt. Und wenn dann plötzlich ein Fjörtoft – vom Qualitäts(hust, hust)sender Sky, gleich vier tweets an einem Tag loslässt, hat er vielleicht einfach nur die Freigabe bekommen, mit seinem Wissen an die Öffentlichkeit zu gehen.

    Das Thema Kahn dürfte schon lange schwelen. Persönlich denke ich sogar, dass Hoeness seit der aus dem Ruder gelaufene JHV 2021 berechtigte Zweifel an großen Teilen der Bayern Führung haben dürfte. Keine Überraschung!

    Was Hoeness glaube ich gar nicht leiden kann ist, wenn ein Bayernboss für jeden Handgriff einen Berater braucht. Darum sind damals ja auch die Gespräche mit Philipp Lahm gescheitert (der nichts dümmeres zu tun hatte, als mit Roman Grill anzukommen – für einen Job, wo ER solchen Beratern contra zu geben hat). Kahn braucht offenbar viel zu oft irgendwelche Powerpointfuzzis, was nicht Bayernlike ist.

    Es gab mal einen Matthias Sammer. Heute nicht mehr im Amt, offiziell wegen einer Herzgeschichte. Der hat es vielleicht nie geschafft, wirklich Teil der Bayern Familie zu werden. Aber um wieviel kraftvoller waren seine medialen Auftritte im Vergleich zu Kahn? Als Bayern-Boss muss man die Menschen erreichen. Auch hier – was für ein Abstieg.

    Den Trainerwechsel finde ich nach wie vor komplett richtig (-> und ich hatte dir, @petersgradmesser, auch schon vor einiger Zeit mal angedeutet, dass Nagelsmann m.E. vielleicht nicht den Sommer überleben würde). An dem Tag, als die Nagelsmann-Gerüchte aufkamen, war ich elektrisiert. Und offen gestanden, den sofortigen Wechsel zu Thomas Tuchel haben die Verantwortlichen hervorragend hinbekommen. Wobei es Bände spricht, dass Tuchel ständig den Namen Hoeness erwähnt und nicht den Namen Kahn.

    Hoeness ist wie ein Schachspieler. Die nächsten Züge sind schon geplant. Mein Tipp: Es kommt jetzt ein Übergangsvorstand (hoffentlich nicht Hainer), wohl nur für ein Jahr (1. Juli 2023 bis 30. Juni 2024). Und parallel versucht man, per 1. Juli 2024 Max Eberl von RB loszueisen (2012 war das ähnlich – da war Hoeness mit Nerlinger unzufrieden; Matthias Sammer sollte im Winter eigentlich zum HSV – plötzlich sagte Sammer diesen Job aber ab, nur um im Sommer dann bei Bayern zu übernehmen).

    Mit Eberl als starkem Man kann Salihamidzic sich auf die eigentlichen Vertragsgespräche konzenterieren – darin ist er, glaube ich, auch wirklich gut (viel besser als Sammer jedenfalls). Und die sportliche Planung incl. scouting macht dann Eberl. Und mit Eberl, Salihamidzic und Tuchel wäre Bayern top aufgestellt.

      1. Ob das nur Hirngespinste sind wird sich zeigen. Hoeness wird den besten wollen. Wer würde Dir einfallen?

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