Manuel Neuer möchte hinsichtlich seiner Karriereplanung noch Bedenkzeit. Von ihm abhängig sind sämtliche Gedankenspiele über die künftige Torwart-Hierarchie beim FC Bayern. Ein Kommentar.
Gibt es im Sommer den großen Umbruch im Tor des FC Bayern? Alle im Verein warten dafür auf die Entscheidung von Manuel Neuer. Der langjährige Kapitän wollte diese eigentlich rund um seinen 40. Geburtstag, den er am 27. März gefeiert hat, kundtun. Nachdem ursprünglich vieles auf eine Vertragsverlängerung bis 2027 hingedeutet hat, scheint sich der fünfmalige Welttorhüter jetzt nicht mehr ganz so sicher zu sein, ob sein zuletzt von zahlreichen Verletzungen gebeutelter Körper da noch mitmacht.
Derzeit bringen sich seine potenziellen Nachfolger in Position. Während vereinsintern die Entscheidung pro Jonas Urbig als Neuer-Nachfolger festzustehen scheint, meldet sich in dieser Angelegenheit nun auch Nationalkeeper Alexander Nübel, der seit 2023 vom Rekordmeister an den VfB Stuttgart ausgeliehen ist. Für den 29-Jährigen war die Situation lange Zeit eindeutig: Solange Neuer beim FC Bayern unter Vertrag steht, kommt eine Rückkehr zu seinem Stammverein für ihn nicht infrage. Das sich abzeichnende Karriereende des Weltmeisters von 2014 verändert diese Einstellung nun offenbar.
Obwohl Nübel bereits seit Sommer 2020 beim Rekordmeister unter Vertrag steht, kam er lediglich auf vier Einsätze in der Spielzeit 2020/21 im Bayern-Tor. Zuletzt wurde sogar berichtet, dass er selbst dann nicht an die Säbener Straße zurückkehren wolle, sollte Neuer seine Laufbahn beenden.
Erstaunliche Gerüchte um Alexander Nübel
Laut Informationen des kicker soll sich diese Haltung allerdings inzwischen gewandelt haben. Er wolle sich in München dem Konkurrenzkampf gegen den deutlich jüngeren Jonas Urbig stellen – und im Falle von Neuers Rücktritt ab Sommer um die Position als FCB-Stammtorhüter kämpfen. Ein nachvollziehbarer Schritt.
Das Fachmagazin kicker überrascht in der Cause Nübel nun aber mit verblüffenden Informationen von der Säbener Straße: So soll es dort „vereinzelt Überlegungen“ geben, den Vertrag mit Nübel vorzeitig aufzulösen. In diesem Fall würde der Verein nicht nur auf eine Ablösesumme verzichten, sondern müsste dem dreifachen Nationalspieler wohl zusätzlich „eine ordentliche zweistellige Millionensumme als eine Art Abfindung zahlen“.
Sollten derartige Erwägungen tatsächlich bei den FCB-Verantwortlichen existieren und gar zur Umsetzung kommen, würde das „Kapitel Nübel“ beim Rekordmeister mit einem beträchtlichen Minus abgeschlossen werden. Im Sommer 2020 war er zwar – als hoffnungsvoller Nachwuchstorwart – ablösefrei vom FC Schalke 04 nach München gewechselt. Offenbar hatte ihm zuvor der damalige Sportvorstand Hasan Salihamidžić – trotz eines Neuers in Bestform – vermehrte Einsatzzeiten versprochen, die Chefcoach Hansi Flick nicht erfüllen konnte bzw. wollte. Der frustrierte Nübel ließ sich dann anschließend zur AS Monaco (2021-23) und dann zum VfB (seit 2023) verleihen. Zumindest seit seiner Stuttgart-Zeit übernahm der FC Bayern einen großen Teil seines üppigen Gehalts.
Einschätzung der Situation Nübel / FC Bayern
Derzeit sucht der FC Bayern für den Fall von Neuers Karriereende einen erfahrenen zweiten Torwart, der sich als solcher, wie es jahrelang ein Sven Ulreich tat, einreiht. Der 33-jährige HSV-Keeper Daniel Heuer Fernandes steht hierbei aktuell im Fokus. Der DFB-WM-Ersatztorwart Nübel, der im September 30 Jahre alt wird, scheint dafür wohl jedoch nicht infrage zu kommen. Lieber möchte dieser nun um die Nummer 1 im Münchner Tor kämpfen – wollen aber die Vereinsbosse diese Herausforderung gar nicht, sondern mit Urbig eine klare, unumstrittene Nummer 1?
Wenn schon vor der Saison Klarheit herrschen soll, wer 2026/27 als Stammtorhüter agiert, wäre eine Trennung von Nübel natürlich die einzig sinnvolle Option. Aber warum dann seitens des FC Bayern nicht versucht werden sollte, noch eine Ablösesumme zu erzielen, stattdessen sogar eine millionenschwere Abfindung gezahlt werden soll, bleibt unklar. Dieses Szenario ist eigentlich nur für den Fall denkbar, dass der Noch-VfB-Torwart droht, seinen bis 2030 laufenden Kontrakt beim FCB aussitzen zu wollen. Auch wenn sein Jahressalär auf eine niedrige zweistellige Millionensumme taxiert wird, erscheint dies trotzdem eher unwahrscheinlich. Nübel ist im allerbesten Torwart-Alter.
