Julian Nagelsmann ist wohl der unkonventionellste Bundestrainer in der DFB-Geschichte. Für den WM-Kader hat der 38-Jährige Überraschungen angekündigt.
Als sehr junger Chefcoach des FC Bayern war Julian Nagelsmann mit seiner unkonventionellen Art durchaus erfolgreich, ist letztlich aber auch daran gescheitert. Auch als Bundestrainer lässt sich der mittlerweile 38-Jährige nicht verbiegen und kündigt bei der Nominierung seines WM-Kaders bereits frühzeitig Überraschungen an, auch negative – für die Medien und vor allem die betroffenen Spieler.
Nicht davon betroffen sollte wohl FCB-Youngster Lennart Karl sein. Der 18-jährige U21-Nationalspieler hat sich mit seiner Unbekümmertheit und seinen mutigen Dribblings auch in den Fokus des Bundestrainers gespielt. Gut ein Vierteljahr vor dem Start der Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada konkretisieren sich die Gedanken um den deutschen WM-Kader – und Nagelsmann äußert sich im kicker-Interview erstmals ausführlich zum jungen FCB-Dribbler. Der erklärte zuletzt noch, selbst noch keinen direkten Kontakt zum Bundestrainer gehabt zu haben.
Nagelsmann beobachtet Karls Entwicklung beim Rekordmeister aber natürlich ganz genau: „Lennart hatte eine super-stabile Zeit. Jetzt struggelt er gerade so ein wenig – auch, weil ein Jamal Musiala wieder fit ist“, so der DFB-Coach. Die reduzierte Spielzeit beim FC Bayern sei nachvollziehbar, ändere jedoch nichts an seiner grundsätzlichen Einschätzung.
Nagelsmanns „Karl-Management“: Ohne Druck und mit viel Lob
„Er ist ein sehr interessanter Spieler, auch von seinem Profil, weil er oft ins Eins-gegen-eins geht, von rechts nach innen auf seinen linken Fuß ziehen kann und schwer zu greifen ist“, zeigt sich der Bundestrainer vom 18-Jährigen sehr angetan. Genau diese Unberechenbarkeit könne beim WM-Turnier den Unterschied ausmachen.
Zudem nimmt Nagelsmann den ganz großen Druck vom Youngster, der ganz offen seinen Traum von der WM-Teilnahme äußert, indem er klarstellt, dass Karl kein Stammspieler beim FC Bayern sein müsse, um für die WM nominiert zu werden: „Ich habe nicht den Anspruch, dass er Stammspieler wird, um dann bei der WM dabei zu sein. Denn das wird er nicht.“ Entscheidender seien Rhythmus und Selbstvertrauen.
Dabei ist es für den Bundestrainer essentiell, dass Karl im DFB-Team nicht zur „grauen Maus“ mutiert. Wenn er ihn nominiert, muss er auch da seine jugendliche Frische und Frechheit einbringen. Andernfalls könne er auch auf routinierte, zuverlässige Profis setzen.
Profitiert auch der FC Bayern von Nagelsmanns Umgang mit den Spielern?
Die Botschaft von Nagelsmann an Karl, der in den letzten beiden Bundesligaspielen gegen Frankfurt und in Dortmund keine Spielminuten erhalten hat, ist eine wichtige: Verliere nicht die Geduld, bau dir selbst keinen unnötigen Druck auf. Du wirst in den nächsten Wochen wieder Einsätze beim FCB bekommen, mach weiter dein Ding. Auch als Nicht-Stammspieler beim Rekordmeister ist der WM-Zug längst nicht für dich abgefahren. Das sollte dem 18-Jährigen noch einmal einen Schub geben – für den Saisonendspurt beim FC Bayern, aber auch hinsichtlich der WM.
Die Kader- und Stammspielerplätze werden in der Nationalmannschaft nach anderen Kriterien als beim FC Bayern vergeben. Davon wird wohl nicht zuletzt auch Leon Goretzka profitieren. Und vielleicht ist dies auch die WM-Chance des hochtalentierten 22-jährigen Jonas Urbig. Er erfüllt seine Aufgabe als zweiter Bayern-Torwart hinter Manuel Neuer ganz genau so, wie sich Nagelsmann dies für seine Nationalspieler in der zweiten Reihe wünscht.
