50+1-Regel: Die Bayern-Bosse auf den Spuren ihrer legendären Vorgänger

Die sog. 50+1-Regel ist eine seit Einführung heiß diskutierte Vorschrift in den DFL-Statuten. Die Bayern-Bosse widersprechen der Mehrheit und wollen den Konkurrenzkampf in der Bundesliga fördern.

Die zur Bundesliga-Saison 1998/99 eingeführte 50+1-Regel soll verhindern, dass Investoren die Stimmenmehrheit bei Kapitalgesellschaften übernehmen, in welche die deutschen Fußballvereine ihre Profimannschaften ausgegliedert haben. Von Beginn an war sie ein Zankapfel zwischen den Klubs, nicht zuletzt weil es schon bei der Einführung eine Sondergenehmigung für Bayer Leverkusen und den VW-Verein VfL Wolfsburg gab.

Während eine Mehrheit der deutschen Profivereine und besonders die Fanszenen der Bundesligisten die Regelung verteidigen, dabei eher die Sonderregeln angreifen, ist man beim deutschen Rekordmeister schon länger grundsätzlich anderer Meinung. Die alten Granden Uli Hoeneß (Präsident bis 2019) und Karl-Heinz Rummenigge (Vorstandsvorsitzender bis 2021) setzten sich speziell zum Ende ihrer Amtszeiten beim Rekordmeister vehement für die Abschaffung von 50+1 ein. Ihre Nachfolger vertreten offensichtlich dieselbe Meinung.

Hainer und Dreesen wie einst Hoeneß und Rummenigge

Präsident Herbert Hainer und CEO Jan-Christian Dreesen sorgen aktuell mit ihren eindeutigen Positionierungen in der Dauerdebatte für Diskussionen. Auch sie stellen die bisherige Praxis offen infrage. Dabei geht es ihnen um nichts Geringeres als die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga.

Dreesen macht nun die Position des Rekordmeisters im Interview mit der Sport BILD noch einmal deutlich. Der 58-Jährige: „Herbert Hainer hat unsere Haltung zuletzt bekräftigt. Wir sind der Meinung, dass jeder Klub selbst entscheiden sollte, was er tun möchte. Wir brauchen eine starke und wettbewerbsfähige Bundesliga, um motiviert zu bleiben und uns weiter zu pushen. Ich hoffe, dass auch unsere Kollegen in Dortmund, Leverkusen, Stuttgart, Leipzig und überall sonst Schritte gehen können und mit uns mithalten.“

Damit unterstützt Dreesen ausdrücklich die Linie von Hainer, der einen Reformbedarf als äußerst dringend dargestellt hat: „Ich bin der Meinung, dass man es den Klubs und ihren Mitgliedern überlassen sollte, wie viele Anteile sie abgeben wollen“, so der 71-Jährige jüngst bei einem Pressetermin in München.

Der Hoeneß-Nachfolger verwies dabei vor allem auf die wirtschaftlichen Unterschiede im internationalen Wettbewerb. „Die Premier League nimmt jedes Jahr 4,5 Milliarden Euro ein, davon 2 Milliarden durch die Rechtevermarktung im Ausland, die Bundesliga nur 1,3 Milliarden Euro.“ Vor allem bei der internationalen Vermarktung sieht Hainer Handlungsbedarf und forderte: „Da muss die Bundesliga attraktiver werden.“

FC Bayern AG rüttelt nicht an der eigenen 70-Prozent-Regel

Der FC Bayern selbst plant dagegen keinen Kurswechsel. In der Vereinssatzung ist verankert, dass Investoren maximal 30 Prozent der Stimmenanteile übernehmen dürfen. Aktuell halten Adidas, Audi und Allianz jeweils 8,33 Prozent, also zusammen 25 Prozent an der FC Bayern AG. Dazu der FCB-Präsident: „Wir sind wirtschaftlich unabhängig und wollen das auch bleiben“. Über den Verkauf der noch zu erwerbenden fünf Prozent gab es allerdings bereits des Öfteren Spekulationen.

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