Ausgerechnet Harry Kane, der derzeit sicherste Elfmeterschütze der Fußball-Bundesliga, verursachte gegen Eintracht Frankfurt einen Strafstoß im Bayern-Sechzehner. Ein Blick auf die Regeln.
National wie international scheint aktuell eine bedenkliche Schiedsrichter-Krise den Fußball zu belasten. Viele Experten machen dafür den in den nationalen Ligen wie der Bundesliga 2017/18 und Anfang 2019 in der Champions League eingeführten Video Assistant Referee (VAR) verantwortlich. Was als große Unterstützung für die Unparteiischen im immer schneller werdenden Fußball geplant war, erweist sich zunehmend als deren Last.
Am Besten funktionieren die Korrekturen durch den VAR noch bei Abseitsstellungen, aber selbst dort verursacht er durch Millimeterentscheidungen gegen die Offensivmannschaft massiv Ärger. Galt früher die Abseitsregel „im Zweifel für den Angreifer“, werden nun bei erzielten Toren viele Spielsituationen zuvor überprüft und bei minimalsten Abseitspositionen – mit teilweise zweifelhaften kalibrierten Linien – annulliert.
Überhaupt keine Hilfe bietet der VAR aktuell bei Handspielen von Verteidigern im eigenen Strafraum, die in früheren Fußballzeiten automatisch zu Elfmetern geführt haben. Stattdessen herrscht mittlerweile große Verwirrung bei Spielern, Fans und selbst den Schiedsrichtern, welche Regeln denn nun tatsächlich angewendet wird: Absichtliches versus unabsichtliches Handspiel, natürliche versus unnatürliche Armhaltung. Teilweise scheint in solchen Situationen Willkür zu herrschen.
Nach VAR-Einführung: Extreme Zunahme an Elfmetern ohne Existenz von Torgefahr
Gab es früher im Fußball mehr Handelfmeter (weil konsequent jedes Handspiel gepfiffen wurde), gibt es im heutigen Profi-Fußball deutlich mehr Elfmeter nach Situationen, in welchen überhaupt keine Torgefahr existiert, das verteidigende Team – scheinbar – die Situation völlig unter Kontrolle hat. Auch hierbei spielt der VAR eine große Rolle.
Ausgerechnet Harry Kane, der aktuell beste Elfmeterschütze (23 von 23 seit Sommer 2023) der Bundesliga und der FC Bayern waren in der Partie gegen Eintracht Frankfurt „Opfer“ dieser nicht mehr ganz neuen Gegebenheiten im professionellen Fußball: Versucht ein Spieler der verteidigenden Mannschaft einen Befreiungsschlag aus dem eigenen Strafraum, stellt nicht selten der Stürmer sein Bein zwischen den „Verteidiger“ und den Ball, um so einen Elfmeter zu erzwingen. Nicht selten erfolgt dies aus dem sog. „toten Winkel“. Reagiert der Feldschiedsrichter bei der Aktion nicht auf den Kontakt, bleibt der Angreifer – bei FCB gegen SGE war es Oscar Højlund – solange liegen, bis sich der VAR einschaltet. Die Referees geben dann in der Regel Elfmeter.
Auf diese Weise gab es in den letzten Spielzeiten eine Vielzahl an Foulelfmetern bei Szenen, in welchen es null Komma null Torgefahr gab. Ähnlich verhält es sich in Spielsituationen, in welchen Angreifer beim Verlassen des Strafraums auf Berührungen der Verteidiger hoffen bzw. diese provozieren, um sich dann theatralisch fallen zu lassen. Regelkonform gibt es jeweils einen Foulelfmeter. Häufig werden dabei Spielverläufe vollkommen auf den Kopf gestellt.
Der FC Bayern „zitterte“ sich zwar gegen die Eintracht letztendlich noch zum 3:2-Sieg und Kanes Aktion war sicherlich nicht diejenige, die zum bittersten und „ungerechtesten“ Strafstoß führte, dennoch war auch diese Szene ein Beweis für eine Fehlentwicklung im Fußball.
Mögliche Gegenmaßnahmen gegen das „Schinden“ von Elfmetern
Wie könnten die Regelhüter (und Schiedsrichter) dieses Dilemma beenden? Denn ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit – so ein Tritt, der eigentlich für einen weit wegzuschlagenden Ball geplant ist, kann sehr schmerzhaft sein und auch zu erheblichen Verletzungen führen – wird ein Elfmeter ohne existierende Torgefahr erzwungen. Sollte es für ein derartiges „Foul“ vielleicht nur einen direkten oder gar indirekten Freistoß geben?
Wenn der „Ertrag“ für das eigene Risiko (Verletzung) und den eigenen Schmerz wesentlich geringer wird, könnten sich viele „Provokateure“ ein solches Handeln überlegen. Derartige „Fouls“ werden nämlich bezeichnenderweise ausschließlich in den Strafräumen provoziert. Es gibt aber auch zahlreiche Situationen, in welchen die Foul-Bewertung auch gegenteilig ausfallen könnte: Denn grundsätzlich ist der Verteidiger, der zum Befreiungsschlag ansetzt, der ballführende Spieler. Stellt der Stürmer dann das Bein zwischen Ball und Fuß des Abwehrspielers, spielt er selbst Foul, auch wenn er getroffen wird.
Die Einführung des VAR hat hier eindeutig zu einer Fehlentwicklung im Profifußball beigetragen. Clevere Aktionen ohne fußballerischen Wert werden mit einem Elfmeter, der statistisch größten Torchance, belohnt. Das kann nicht im Sinne des fairen Sports sein. Hier muss – bei den Regeln, die SR schaffen das alleine nicht – nachgebessert werden.

Absolut richtig!!